»Und doch bin ich Max Lestyák,« meinte der Oberrichter mit tonloser Stimme.
Der große Beg murrte verdrießlich:
»Entweder flimmerte es vor meinen Augen, als wir vor dritthalb Jahren in meinem Lager zusammen trafen, oder es wurde der Kopf Euer Hochedlen seitdem vertauscht.«
»Ja, man wird älter, es ist alles umsonst.«
»Im übrigen habe ich Euch einen Brief gebracht. Den Brief hat der Kalgaer Sultan geschrieben, mit honigsüßer Feder:
›Mein lieber Sohn, tapferer Max Lestyák!
Bestrafe, ich bitte dich, die bösen Wölfe, denn wenn du kein abschreckendes Beispiel schaffst, so glaube mir, stehlen deine Leute mir noch den Turban vom Kopfe. Ich würde es gern sehen, wenn du mir einen Korb Köpfe senden würdest (die Räuber langen auch für zwei). Schon lange habe ich mich an abgeschnittenen Kecskeméter Köpfen nicht ergötzt. Meinen Abgesandten Olaj Beg, der Euch die nötigen Aufklärungen geben wird, haltet hoch in Ehren.
Ich bleibe dein mächtiger Herr und Freund, der
Krimer Vizekhan (Kalgaer Sultan)‹.«
Lestyák überflog den Brief zerstreut, verwirrt, dann schob er ihn den Richtern hin, damit diese sehen sollen, wie heikel die Potentaten mit dem Kecskeméter Oberrichter umgehen.
Unterdessen bemerkte er, bis über die Ohren rot werdend, den forschenden Blick Olaj Begs, der immer auf ihm ruhte. Er saß auf Nadeln unter unangenehmen Gefühlen; hierzu gesellte sich die Stunden andauernde Flut der Geständnisse, der Dunst des Saales. Ein Schwindel überkam ihn und gerade wollte er den Vorsitz an Poroßnoki abgeben, als draußen ein Entsetzensschrei laut wurde und sich durch die Gassen wälzte, immer näher und näher kommend, die Fenster erschütternd.
Die Richter liefen entsetzt zum Fenster und taumelten totenbleich zurück. Der Ráró lief wild gegen das Stadthaus, auf ihm saß niedergebunden der alte Lestyák mit dem Kaftan – aber ohne Kopf. Aus dem Rumpfe tropfte das Blut. Das Pferd und der Kaftan waren mit Blut bedeckt.