»Gehen Sie, Vater, in Gottes Namen.«
Draußen setzte dieser seine Füße in den Steigbügel, er warf sich in die Brust, den Kopf nach rückwärts lehnend, wie ein echter Ritter. Die fremden Marktgäste liefen neugierig hin, um den Vater des mächtigen Oberrichters zu sehen, auf dessen dünnem Körper der weltberühmte Mantel saß. Die Kecskeméter Bürger lüfteten lächelnd die Hüte, die Kinder schrieen:
»Vivat, Vivat, Lestyák bácsi![18]«
Einige flüsterten neidisch:
»Glücklicher Vater, glücklicher Mensch!«
Und wahrlich, jetzt war er glücklich. Mit ganzer Lunge atmete er die balsamische Luft ein. Der Ráró tanzte stolz unter ihm. Von den kleinen Gärten vor den Häusern lachten ihn die Jasmine und Lilien an, aus dem eigenen Fenster winkte ihm Czinna mit einem weißen Tuche. Seine Unruhe verschwand, er war weder müde, noch aufgeregt. Die Furcht des Soldaten vor der Schlacht weicht in der Schlacht. Und er war jetzt dort im Feuer, er glaubte den Ton der Trompeten zu hören: »Vorwärts, auf zum Triumph!«
Während nun seine Gestalt im Staube des Weges verschwand, saßen die Senatoren und der Oberrichter ruhig beisammen, hörten den Thatbestand von der Forttreibung der Schafherde an, so auch die langweiligen Vorträge der Zeugen und Kläger. Nicht selten mengte sich ein Gähnen der edlen Herren in das wüste Gespräch.
Daß vor der Stadt ein hungeriger Feind stand, alterierte die Herren wenig. Schneckenblut! Der Feind ist jetzt eine laufende Angelegenheit, wie etwa wenn man ein Marktweib zur Ordnung weisen muß. Hierzu bedarf es eines Mannes und eines Stockes, dazu eines Mannes und eines Kaftans.
Nur der Oberrichter bewegte sich unruhig in seinem Sessel, seitdem im Saal in Vertretung des Kalgaer Sultans Olaj Beg erschien, mit seinem Falkenblicke die Richter musternd, und frug, welcher von ihnen der berühmte Oberrichter Max Lestyák sei – worauf Agoston mit seinem Ellbogen zur Tischspitze wies ...
»Das ist nicht möglich,« murmelte Olaj Beg kopfschüttelnd.