»Noch nie habe ich eine solch' traurige Exekution mit angesehen,« sagte Stefan Tóth mit wichtiger Miene, »und doch habe ich schon viele gesehen. Erstens giebt es kein einziges nasses Auge. Auch der alte Bürü ist schon eine ganze Woche fort mit seiner Fiedel. Zweitens ist in diesem Falle von nirgendsher das Wehen des Gnadentuches zu erwarten; drittens ....«

Er hatte keine Zeit, den begonnenen Satz auszusprechen, denn eine große Staubwolke entstand auf der Czegléderstraße, schmucke Kuruczen-Hußáren mit gezogenem Säbel stürmten mit großem Schlachtenlärm zum Richtplatz heran. Voran einige mit herabgelassenem Helmvisier, auf schönen Pferden.

»Der Feind, der Feind!« schrie die Menge und zerstob in alle Windrichtungen.

Eine große Verwirrung entstand. Pater Bruno sprang vom Podium herab und mit klappernden Zähnen stürzte er dem Stadthause zu:

»Es wird das ein Wunder sein. Um mich kommt man, man führt mich schon weg!«

Auch die Senatoren suchten ihr Heil in der Flucht. Der Scharfrichter ließ das Richtschwert fallen, auch er flüchtete.

Das Ganze war das Werk eines Augenblickes; der eine gepanzerte Krieger erklomm im Nu mit seinem Rosse das Blutgerüst und schwang das Mädchen wie eine Feder in den Sattel. Niemand stellte sich ihm in den Weg, niemand fragte, was er wolle? Auch er fragte niemand, ob es erlaubt sei. Die kleine Abteilung verschwand, wie sie gekommen, in einer Nebengasse.

Langsam kamen die erschreckten Einwohner wieder hervor. Die Senatoren freuten sich, daß man nur Czinna mitgenommen und sonst nichts. Es sei kein Schade um das Mädchen.

Der Henker machte ein saures Gesicht; man möge ihm Arbeit geben, da er sich von so weit herbemüht hat.

Viele, die hinter den Umzäunungen die Szene mit angesehen hatten, schwuren bei Himmel und Erde, daß der Held mit dem herabgelassenen Helmvisier, der auf das Blutgerüst gesprengt war, niemand anders sei, als Max Lestyák. Man erkannte ihn an seiner Gestalt, an seinen Bewegungen, an seinen glänzenden, nußbraunen Augen. Man suche ihn nicht im Wasser des stillen Teiches.