Puerta del Sol, überlegte Ježek, Tor der Sonne; was hat er nur in Spanien gemacht? Nach einem Touristen sieht er nicht aus. Vielleicht ist er nicht gesund, daß er so heilige Augen hat. Puerta del Sol in Madrid.

„Sie waren in Madrid?“ sprach er unversehens aus.

Der Mensch atmete zustimmend durch die Nase und schwieg.

Er könnte sagen, wer er ist, überlegte Ježek; ein Wort gibt das andere, und das Übrige errätst du. — Er könnte übrigens sagen: Ja, ich war in Madrid; aber es ist nicht der entfernteste Ort, wo ich gewesen, und es gibt noch schönere Orte und ein wunderbareres Leben. Allerlei könnte er lügen. Siehe, jetzt besinnt er sich.

Der Mensch winkte leicht mit der Hand, unbestimmt und versonnen nirgendwohin blickend.

Vielleicht sagt er: Ich sehe, daß Sie mich teilnehmend betrachten; Sie haben mich für tot gehalten und sich mitleidig über mich gebeugt. Ich will Ihnen also die Historie meines Lebens berichten. Unterbrechen Sie mich nicht, falls Ihnen etwas unzusammenhängend oder unmotiviert erscheint. Lesen Sie nur auf meinem Gesicht, ob ich leicht und einfach gelebt habe. So irgendwie würde er etwa beginnen.

Aber der Mensch rauchte schweigend und langsam, die hellen, blicklosen Augen ins Unendliche geheftet.

Sicherlich wird er etwas sagen, dachte Ježek; es ist schwer, Worte für eines Lebens Verlauf zu finden. Es sei, ich warte. Leise legte er sich auf den Rücken. Die Sonne schlug ihm in die Augen und drang durch die geschlossenen Lider hindurch; rote und schwarze Kreise haben sich zu drehen begonnen und tanzen brennend vor den Augen. Die Wärme atmet in langen, feurigen Wellen, und Ježek fühlt sich so wohl, als würde er entführt von den schwarzen und roten Kreisen, von der Flut langgezogener Wellen, von unendlicher und unfortschreitender Bewegung. Wohin fließt diese starke hinreißende Bewegung? Ach nichts; nur die Bewegung des Lebens an seinem Ort.

Plötzlich wandte er sich. Über die Hand lief ihm eine helle Ameise, nicht wissend wohin auf der allzu großen Fläche. Auch uns, dachte Ježek, Ameislein, auch uns regt die allzugroße Welt auf: diese Fernen, Wanderer, diese hartnäckige Panik. Warum läufst du so? Warte, verweile; ich tu dir nichts, wenn ich auch groß bin. Ach, kleiner Abenteurer, ist’s nur Verwirrung, die dich so jagt? Wilde und verzweifelte Verwirrung der Einsamkeit? irgendeine Angst? Wo ist denn ein Tor, durch das du entrönnest?

Nahe, auf Griffweite nah hat sich ein Schmetterling mit weit geöffneten Flügeln auf eine Blume niedergelassen, wiegt sich auf der weißen Dolde und bewegt die leichten Flügel, schließt sie und breitet sie aus mit einer zauberischen und wollüstigen Bewegung, berauschend süß. Ach bleibe, o Lust! Verzaubere mein Herz nicht mit dieser ewigen Gebärde des Entfliehens! Bleib und lasse dich schaukeln, liebliches Weilchen, Sekunde ohne Gleichgewicht, unaussprechlicher Wink! Edle Begegnung nach solchen Qualen der Reise! Jungfräulich erbebten die Zauberflügel und jäh, unbegreiflich entschwindet der Falter, Sekunde, Wollust, als schlösse sich plötzlich ein Tor hinter ihm.