Der Arzt erhielt ein Schiff und ein großes Gefolge und schiffte sich ein. In Japan angekommen, ließ er in der Nacht, als das Gefolge ans Land gegangen war und sich dort belustigte, in aller Stille die Anker lichten und fuhr weiter um einen anderen Platz zu suchen.

Was er nun aber garnicht beabsichtigt hatte, das wollten ihm die Götter gelingen lassen; denn plötzlich erhob sich ein furchtbarer Sturm und trieb das Schiff mehrere Tage hin und her, das Steuer ging verloren, die Schiffsbemannung wurde vom Sturme ins Meer geschleudert und als endlich wieder schönes Wetter eintrat, war der Arzt nur noch allein auf dem Schiffe, das er nicht zu regieren verstand. Ein tapferer Mann wie er, verzweifelte nicht, sondern wandte sich an die Götter und siehe da, als er sein Gebet vollendet hatte, wurde das Schiff in ruhiger Fahrt vorwärts getrieben und landete endlich auf Horaisan.

Kaum hatte er das Schiff verlassen und das Land betreten, da versank das Schiff spurlos im Meere, ihm jede Rückkehr abschneidend. Am Strande traf er den Japaner Wasobiowo, der ihn begrüßte und ihm erklärte, wo er sich befinde. Da war der Arzt froh und dachte garnicht mehr daran, nach China zurückzukehren, um dem grausamen Kaiser unverdientes Glück zu bringen, sondern er blieb auf Horaisan und niemand hat seitdem wieder etwas von ihm gehört.

Anders Wasobiowo. Dieser lebte früher in Nagasaki, wo er ein Häuschen besaß, das er mit einem Diener bewohnte und wo er in stiller Zurückgezogenheit lebte, sich nur mit Wissenschaften und allerhand Künsten beschäftigend. Seine liebste Beschäftigung war das Angeln und er konnte oft tagelang auf dem Meere zubringen, einzig allein nur um zu angeln oder im Boote liegend den Gang der Gestirne zu beobachten und zu berechnen.

Eines Abends war er, wieder mit seinem Angelgerät versehen, bei herrlichem Mondschein aufs Meer hinausgerudert. Die sternenklare, ruhige Nacht aber ließ ihn das Angeln vergessen; träumend verfolgte er den Lauf der Sterne und freute sich des kräftigen, Kühlung wehenden Meeresodems.

Die Ruder entglitten seinen Händen und er wußte nicht, wie lange er sich seinen träumerischen Gedanken überlassen hatte, als sich der Himmel überzog und ein furchtbares Unwetter heranraste. Ohne Ruder war er machtlos den Wellen und dem Sturme preisgegeben und nur mit Hilfe des Steuers vermochte er das Boot vor dem Kentern zu bewahren, das mit unheimlicher Schnelligkeit bald über die hochgehenden Wogen dahin schoß bald in die schwarzen Wellentäler versank, die es zu verschlingen drohten. Endlich legte sich das Wüten des Sturmes, es wurde heller Tag; aber Wasobiowo sah nichts als das unermeßliche, wogende Meer, nirgends ein Zeichen, nirgends einen Punkt, an dem das ruhelos schweifende Auge einen Anhalt gefunden hätte um sich zu orientieren.

Er ergab sich in sein Schicksal und harrte des Abends, um aus der Stellung der Sterne bestimmen zu können, wo er sich befinde.

Am Abend, als die Sterne zum Vorschein kamen, da sah er zu seinem Schrecken, daß er mehrere hundert Meilen von der Heimat entfernt war und er garnicht daran denken konnte ohne Ruder dorthin zurückzukehren, umsoweniger als ihn entgegengesetzt wehender Wind immer weiter führte.

Wasobiowo hoffte in dieser Richtung bald ein Land zu finden oder einem Schiffe zu begegnen; deshalb suchte er mit Hilfe des Steuers möglichst geraden Kurs zu halten, was ihm auch gelang, da die Windrichtung sich änderte.

Drei volle Monate trieb er so auf dem Meere und lebte nur von den Fischen, die er mit seiner Angel fing und roh verzehren mußte, da er kein Feuerzeug bei sich hatte. Nach dieser langen Zeit endlich begannen sich im Wasser Pflanzen zu zeigen, die, je weiter er kam, immer dichter wurden; das Meer verlor seine glänzende Farbe und ging endlich in einen dicht mit Pflanzen aller Art bewachsenen Sumpf über, in dem das Boot nicht mehr weiter konnte. Aber Wasobiowo verlor nicht den Mut. Er ergriff die Pflanzen und zog daran und siehe, sie hielten stand wie Stricke. Nun begann eine mühselige Arbeit. Von Pflanze zu Pflanze greifend, zog er sich mit dem Boote immer weiter durch dieses Pflanzengewirr, durch diesen Morast. Über vierzig Stunden dauerte die Arbeit; todmüde, kraftlos und halbverhungert war er, denn hier gab es auch nicht das kleinste Lebewesen, das er als Nahrung verwenden konnte, als er endlich diese unheilvolle Strecke überwunden hatte. Nun lag vor ihm ein silberglänzendes Meer und in einiger Entfernung schimmerte ein grünes Land, überragt von einem bis zum Himmel reichenden Berge. Es war Horaisan mit dem Fusan2; doch wußte Wasobiowo dies noch nicht, ja ahnte es nicht einmal, sondern freute sich nur endlich wieder Land zu sehen. Eine Strömung führte ihn dem Lande zu und nach zehn Stunden stieß sein Boot auf den wie Gold und Silber glänzenden, sandbedeckten Strand. Hocherfreut sprang er aus dem Boote, fiel nieder und dankte den Göttern für seine Rettung.