Fig. 549.

A oberer Reißzahn vom Hund, B vom Löwen, von der Seite und von unten. C unterer Reißzahn von Herpestes, D vom Löwen.

Die echten Raubtiere oder Fissipedia stehen in ihrem Habitus und im Schädel- und Skelettbau den Creodontia am nächsten und unterscheiden sich von den Miaciden eigentlich nur durch die Verwachsung des Lunatum mit dem Scaphoid, durch die vollständige Verknöcherung der Bulla tympanica und die höhere Entwicklung des Gehirns. Die stark gefurchten Großhirnhemisphären bedecken zum großen Teil auch das Kleinhirn und die Riechlappen. Das Gebiß zeichnet sich durch starke Entwicklung der C und die scherenartige Ausbildung des oberen P4 und des unteren M1 aus, die hier, wie bei den Miaciden, als »Reißzähne« (Figur [549]) funktionieren. Die oberen M sowie die unteren M2 und M3 sind höckerig ausgebildet, die ersteren trituberkulär, die letzteren tuberkulärsektorial, jedoch ist bei ihnen im Gegensatz zu M1, welcher sich in der Regel durch kräftige Entwicklung des Protoconid und Paraconid auszeichnet, das Protoconid sehr niedrig, und das Paraconid mehr oder weniger verkümmert. Die oberen M haben außer Paracon, Metacon und Protocon auch häufig Zwischenhöcker und einen Metastyl, auch kann manchmal ein Hypocon auftreten, allein in den meisten Fällen ist der eine oder andere dieser Bestandteile unterdrückt. Auch nimmt die Größe der M vom ersten bis zum letzten in beiden Kiefern meist sehr rasch ab und von den oberen verschwindet sehr häufig M3, öfters auch M2, und ebenso fehlt von den unteren sehr oft M3. Bei den Feliden geht fast stets M2 und manchmal sogar M1 verloren, während der untere M1 sich in eine zweiteilige Schneide verwandelt. Bei omnivorer Lebensweise wird die Oberfläche der übrigbleibenden M oder auch der obere P4 durch Hinzutreten von Sekundärhöckern vergrößert. Der obere Reißzahn unterscheidet sich von P3 durch den Besitz einer langen Schneide hinter dem Hauptzacken, auch ist er in den meisten Fällen mit einem Innenhöcker und einem Basalhöcker am Vorderrande versehen.

Im Milchgebiß (Fig. [550]) gleicht D4 im wesentlichen dem M1, der untere Reißzahn, D3 dem P4, auch im Oberkiefer hat D4 im ganzen die Zusammensetzung von M1 und D3 die von P4, während D2 sich dem P3 nähert, jedoch sind die D durchwegs zierlicher als ihre Ersatzzähne und der obere D4 besitzt in der Regel keinen inneren Basalwulst, der untere D4 hat ein verhältnismäßig großes Talonid, und an D3 steht der Innenzacken weiter zurück als an P4. An allen D divergieren überdies die Wurzeln viel mehr als an den P.

Fig. 550.

Milchgebiß von Viverra civetta Lin. (Nach Mivart.) A, B Oberkiefer von unten und von der Seite. C, D Unterkiefer von der Seite und von oben.