Der Name des Dichters wird meistens falsch angegeben; derselbe heißt nicht Kortüm, sondern Kortum. Nicht allein die Encyclopädien, sondern auch wissenschaftliche Werke haben die erste, falsche Form des Namens. Der Irrthum beruht auf einer Verwechselung mit dem Namen des bekannten Historikers Joh. Friedr. Kortüm, geboren den 24. Februar 1788 zu Eichhorst in Mecklenburg-Strelitz, gestorben am 4. Juni 1858 als Professor der Geschichte an der Universität Heidelberg.

Carl Arnold Kortum wurde am 5. Juli 1745 von protestantischen Eltern zu Mühlheim an der Ruhr geboren, wo sein Vater eine kleine Apotheke besaß. Dieser starb schon früh, aber die Mutter, eine geborene Maria Helene Severin aus Bochum, setzte das Geschäft des Verstorbenen fort, und da sie obendrein ein ziemliches Vermögen mit in die Ehe gebracht hatte, so konnte sie ihrem Sohne eine sorgfältige Erziehung geben. Nach Kortums eigener Aussage, welche in der Form seines Namens einen weiteren Anhalt findet, stammte seine Familie aus Friesland; dieselbe habe dort einst ein ausgedehntes und reiches Grundvermögen besessen, sei aber durch widrige Umstände um Ansehen und Besitz gekommen, in Folge dessen verzogen und zum Stande und Broderwerb des kleinen Bürgers herabgedrückt worden.

Die Liebe und Sorgfalt, mit welcher die Mutter der Erziehung des kleinen Carl Arnold oblag, fand in den ersten Jahren wenig Belohnung; alle Sorge und Mühe scheiterte an den geringen Anlagen des Knaben und man verzweifelte schon daran, ihm auch nur das Alphabet und damit die Grundlage aller Wissenschaft beibringen zu können. Was der Mutter und vielen Andern nicht gelingen wollte, gelang endlich durch den glücklichen Einfall eines damals in Mühlheim lebenden Candidaten Namens Grabow. Derselbe fand den Schlüssel zu dem Geiste des Knaben dadurch, daß er auf das sogenannte „letterbanket“ der Holländer verfiel; er ließ nämlich aus Kuchenteig Buchstaben bilden, und spendete diese gebackenen Buchstaben dem Knaben als süße Belohnung, wenn er wieder einen Buchstaben begriffen und behalten hatte. Es kam nunmehr ein ganz anderes Leben in den Knaben; er bekam Muth und Selbstvertrauen und hatte sich bald in einen solchen Eifer zum Lernen hineingegessen, daß er ungewöhnlich rasch lesen lernte und seine Mutter ihm bald nicht genug Bücher mit Fabeln, Märchen und allerhand Kindererzählungen verschaffen konnte.

Der verstorbene Vater des Dichters hatte gewünscht, daß der Knabe studiren und zur Universität übergehen sollte. Im Herbst 1753 kam der Knabe daher, acht Jahre alt, auf die protestantische Lateinschule seiner Vaterstadt; da sich dieselbe aber in einem jämmerlichen Zustande befand, sah sich die Mutter genöthigt, ihn von da fortzunehmen und in die katholische Schule des Ortes zu schicken, wo das Lateinische gründlich betrieben und das Französische ebenfalls gelehrt wurde. Mit fünfzehn Jahren wurde Carl Arnold Schüler des Gymnasiums zu Dortmund, wo er bei einem Onkel von väterlicher Seite Wohnung und Pflege fand. Ein Sohn dieses seines Hauswirthes ist Karl Georg Theodor Kortum, den Pierers „Universal-Lexicon“ s. v. „Kortum“ fälschlich als Sohn unseres Jobsiadendichters bezeichnet. Derselbe, 1765 zu Dortmund geboren, starb am 9. Februar 1847 als Physikus in Stollberg bei Aachen.

Am Gymnasium zu Dortmund gehörte unser C. A. Kortum zu den tüchtigsten Schülern, und waren es nach F. W. Ebeling vorzüglich zwei Lehrer, welche einen nachhaltigen Einfluß auf denselben ausübten, der Rector Gotthilf August Hofmann und der Professor Pilger. Letzterer gab sich Mühe, den jungen Studiosus für den geistlichen Stand zu bestimmen, aber vergeblich, denn die Lust und Liebe zur Medizin als zu seinem Brodstudium hatte der Jüngling in der väterlichen Apotheke zu tief eingesogen; trotzdem blieb ihm zeitlebens eine gewisse Vorliebe für theologische Dinge anhaften. Der Rector Hofmann, ein für seine Zeit sehr verdienter Schulmann (gestorben 1770), war zwar ebenfalls Theologe, aber nach der obigen Quelle zugleich ein warmer Freund der Dichtkunst, deren Nutzen und Werth er in mehreren lateinischen und deutschen Schulschriften zu erweisen versuchte. Derselbe weckte in seinem Schüler die Liebe zu den schönen Wissenschaften und beklagte nur unaufhörlich, daß derselbe in allen seinen freien Arbeiten einen ungemeinen Hang zur Satire verrieth. Er warnte ihn, seinen beißenden Witz zu unterdrücken und seine Spottlust zu zügeln, durch welche er sich nur Feinde und Unannehmlichkeiten im Leben schaffen werde; dabei hatte der Lehrer selbst aber eine satirische Ader, fluthete von Sarkasmen völlig über und war sogar in einer literarischen Fehde öffentlich als Satiriker aufgetreten. So wenig ein Lehrer, der den ganzen Tag die Pfeife nicht erkalten läßt, seinen Schülern das Unpassende und Schädliche des Rauchens begreiflich machen kann, so wenig war auch Rector Hofmann geeignet, dem jungen Kortum die Freude an lachendem Witz und scharfem Spott zu verleiden.

Mit tüchtigen Kenntnissen ausgerüstet bezog Kortum 1763, achtzehn Jahre alt, die Universität Duisburg, um Medicin zu studiren. Hier, in der Vaterstadt des bekannten Geographen Mercator (Kremer), welche 1609 mit der Clevischen Erbschaft an die Kurfürsten von Brandenburg gefallen war, hatte der große Kurfürst 1655 eine reformirte Universität gegründet, welche 1802 theilweise und 1818 ganz und förmlich aufgehoben wurde. In der medicinischen Fakultät waren es besonders zwei Männer, die Bedeutung und Ruf hatten: Johann Gottlieb Leidenfrost (1715-1791) und Christian Arend Scherer (1714-1777). Beide standen auf der Höhe der medicinischen Wissenschaft ihrer Zeit, und hat der junge Kortum namentlich die Fußstapfen des ersteren dadurch betreten, daß er sich gleich ihm bemühte, populäre Kenntnisse über das Wesen des menschlichen Körpers und dessen rationelle Behandlung zu verbreiten. Die 1779 in Wesel und Leipzig bei F. J. Röder und J. S. Heinsius erschienene Schrift Kortums: „Anweisung wie man sich vor alle ansteckende Krankheiten verwahren könne, für solche die nicht selbst Aerzte sind“ — gibt den größtenteils noch jetzt richtigen Ansichten Leidenfrost’s einen populären Ausdruck und scheint vielfach auf dessen Vorlesungen zu beruhen.

Nach drei Jahren bestand Kortum glücklich seine ärztliche Prüfung, erwarb sich durch eine 1766 gedruckte Dissertation über die Epilepsie den Doctortitel und ließ sich, nachdem er noch ein halbes Jahr in Berlin hauptsächlich Anatomie und Chirurgie studirt hatte, in der liebgewordenen Musenstadt Duisburg als Arzt nieder. Kaum 23 Jahre alt, verheirathete er sich hier 1768 mit Margaretha Ehinger aus Bochum und erwarb sich wegen seiner gediegenen Kenntnisse, einiger glücklicher Aufsehen erregender Curen, sodann aber wegen seines leutseligen Benehmens, seiner geistreichen Unterhaltung und seiner gesellschaftlichen Talente rasch eine ausgedehnte Praxis. Die Zahl der von ihm in Duisburg behandelten Kranken soll sich in einem Jahre auf 600 belaufen haben. In einer Zeit, wo tüchtige Aerzte noch selten waren, wo Charlatane, Dorfbader und Feldscherer fast noch allein das Feld behaupteten und ungestraft an dem gesunden Körper unserer Vorfahren ihre unvernünftigen Quacksalbereien und bedenklichen Hundecuren versuchen durften, waren wissenschaftlich gebildete Aerzte gesuchter als heutzutage, und schon bald bewarben sich die Städte Wesel, Lennep und Hagen um Kortum als Arzt; in Rees wurde ihm gar das Kreisphysicat angeboten. Seine Mutter und Gattin waren aber beide aus Bochum, und wol deren Vorliebe für ihre Vaterstadt war es, die den jungen Arzt bewog, sich im Jahre 1770 in Bochum niederzulassen. Bochum wurde seine zweite Vaterstadt, und bis zum Ende seiner Tage, länger als ein halbes Jahrhundert, blieb er derselben treu.

Klein und beschränkt war dieser Wirkungskreis, und es ist nicht ohne Interesse, den Dichter selbst über die einfach-spießbürgerlichen Verhältnisse seines neuen Wohnortes zu vernehmen. In einer hinterlassenen Schrift: „Bochumer Nachrichten“, welche von der „Westfälischen Volkszeitung“ in Bochum im ersten Jahrgange 1872 veröffentlicht wurde und welche, wie aus dem Inhalte zu schließen ist, im Winter von 1789 auf 1790 entstanden sein muß, äußert sich Kortum an verschiedenen Stellen wie folgt:

„Augenblicklich (im Jahre 1789) wohnen überhaupt 366 Familien in der Stadt; die Personenzahl beträgt 1474 Seelen, ausgenommen die hier im Dienst stehenden Soldaten. Hierunter sind 294 Männer, 385 Frauen, 332 Söhne, 348 Töchter, 11 Gesellen, 17 Knechte, 1 Junge und 86 Mägde. Von diesen sind 983 über und 491 unter zehn Jahren alt. Zum Militärstande gehören noch besonders 47 Personen, deren Weiber und Kinder eingerechnet.

„Die Einwohner der Stadt sind meist starke, untersetzte Leute. Man trifft hier wenig Krüppel und im Verhältniß der Einwohnerzahl sehr viele alte Leute beiderlei Geschlechts. Siebenzig- und Achtzigjährige sind durchaus nicht selten. Die einfache Lebensordnung, die hier geführt wird, ist neben der gesunden Luft die Hauptursache des außerordentlich günstigen Gesundheitszustandes. Der gemeine Mann nährt sich nur von Brod, Butter und Gemüse; Fleisch wird von ihm nur selten genossen, noch seltener Fische; Gewürze fallen fast ganz fort. Kaffee wird viel getrunken, aber sehr dünn; derselbe macht mit einem Butterbrode oft die Mittagsmahlzeit, fast immer die Abendmahlzeit der Familie aus, die vertraulich beim Scheine des Herdfeuers um den Kaffeekessel („Wippop“) oder Milchnapf sitzt. Der Hausvater raucht dabei wol sein Pfeifchen Kölnischen Tabak, und wenn er bei Vermögenden in Arbeit steht, trinkt er auch wol ein Glas Branntwein oder eine Kanne Bier. In solchem Falle ißt er auch besser, bekommt Speck und sonstiges Fleisch und Pfannkuchen, und ist dann vergnügt wie ein Fürst.