Hinter einem großen Felsblock wurden zwei Gestalten flüchtig, eine höhere, dunklere, augenscheinlich ein Mann, und eine kleinere in lichter Kleidung, eine Frau.
Wir rissen unsere Flinten an die Wangen und fast gleichzeitig krachten unsere Schüsse den wie Katzen gebückt Davonspringenden nach. Und wir hatten getroffen. Die kleinere Gestalt warf die Arme empor und sank zu Boden. Der Mann wollte sie fortziehen, aber schon hatten wir wieder geladen und wieder krachten unsere Schüsse über die steinige Hochfläche hin. Zugleich schmetterten vom Lager herauf die Alarmsignale und Kommandorufe ertönten.
Da eilte der Mann fort und wir stürmten ihm nach. Bald waren wir bei der Getroffenen. Es war eine junge, bildschöne Frau. Rabenschwarzes Haar quoll unter einer kleinen roten Mütze hervor, in krampfhaften Stößen hob sich die jugendstrotzende Brust unter dem weißen Hemd, über das sich noch ein rotes, goldgesticktes Leibchen spannte, und als die Sterbende nochmal das Auge aufschlug, das schöne, tiefdunkle Auge, da war mir’s mit einem Male, als wäre es Heri, die da vor mir läge.
„Wie eine Wildkatz,“ meinte mein Kamerad.
Aber wir hatten nicht Zeit uns Betrachtungen hinzugeben, denn eben pfiff wieder eine Kugel an unserem Ohre vorbei: im nächsten Augenblick lagen wir hinter einem Felsblock in Deckung und begannen das Feuer zu erwidern, das uns hinter einem von Gestrüpp umwucherten Felswall hervor entgegenschlug.
Schon kam aber auch unsere Hilfe. Jede Deckung verschmähend, sprangen die Kameraden, unser Oberleutnant voran, durch die Felsblöcke daher und rollende Salven schlugen in das Gebüsch, die das dortige Feuer rasch verstummen machten.
Als wir dann das Gebüsch absuchten, fanden wir zwar Blutspuren, aber weder Tote noch Verwundete. Die hatten die Insurgenten mitgenommen, wie sie das auch immer taten, wenn ihnen nur halbwegs die Möglichkeit geboten war.
Das war unser erster Zusammenstoß mit dem Feinde.
Nachdem die ganze Umgegend abgesucht worden war und die Posten verstärkt waren, kehrte die Truppe ins Lager zurück. Mein Kamerad und ich blieben auf unserem alten Posten.
Schimmernd im Lichte unzähliger Sterne war die Nacht gekommen. Weithin wundersame Stille, nur ein ganz, ganz leises Rauschen der Wälder zu unseren Füßen und ein geisterhaftes Flüstern in dem dürren Gras zwischen den Felsblöcken. Und dort drüben lag ein junges, schönes, totes Weib. Noch vor ein paar Stunden hatte sie nichts von uns, wir nichts von ihr gewußt, und nun lag sie von unseren Kugeln dahingestreckt, und ihre gebrochenen dunklen Augen fragten die friedlich ziehenden Sterne dort droben: warum?