Ich wußte nichts zu sagen, ich nickte nur. Vor meinen Augen blühte etwas empor, eine große, leuchtende Blume, aus deren Kelch es in den abendlich dämmernden Park floß wie Mondlicht, alles verklärend und wundersam verschönend.
Als ich aber dann im Bette lag, da konnte ich nicht Ruhe finden. Erst ferne, ganz, ganz ferne tauchte Marielis sanftes Gesichtchen mit den milden blauen Augen auf, dann kam es immer näher und näher und die Augen sahen mich so vorwurfsvoll und traurig an, daß es mir in schneidendem Schmerz durch die Seele ging, und da brach ich plötzlich in krampfhaftes Schluchzen aus.
„Was hast du denn, Heinerle?“ rief meine Mutter und kam besorgt an mein Bett.
Aber ich konnte nicht antworten, ich wußte ja eigentlich selbst nicht, warum ich weinte. Mitleid mit Marieli war wohl dabei, aber die Hauptsache war doch etwas ganz anderes, etwas, für das mir der Name fehlte und das mich gerade deswegen, weil es so dunkel und unfaßbar in meinem Leben stand, ängstigte.
Die Mutter aber stand neben mir und streichelte in einemfort mein Haar und fragte und fragte, und ich zerquälte mir den heißen Kopf nach einer Antwort.
„Hast du vielleicht an den Vater gedacht?“ kam es ihr dann auf einmal in den Sinn.
Das war ein Ausweg für mich und ich nickte. Da zog mich die Mutter fest an sich, ich spürte ihren zuckenden Mund auf meinem Scheitel und dann fielen auf meine Stirne schwere, heiße Tropfen nieder.
Lange saß die Mutter auf meinem Bette und hielt mich weinend im Arme. Der Uhrenschlag ging durchs Zimmer, einsam und schwer, durch das offene Fenster glänzten die Sterne aus dem dunkelsamtblauen Himmel herein und die Nacht raunte draußen im Garten und in den Wäldern hinter dem Schloß einmal lauter, dann wieder leiser, und leise, ganz leise klang dazwischen das Klappern der Mühle und das Plaudern des Baches.