Heinrich Binder war gerettet und ebenso die beiden Knaben. Während aber die Kinder mit dem bloßen Schrecken und vollständiger Durchnässung davongekommen waren, sah es mit jenem schlecht aus.
Aus seinem Gesicht war alle Farbe gewichen und aus seinem Munde sickerte Blut. Heinrich Binder war ohnmächtig und er kam auch nicht zum Bewußtsein, während ihn die beiden Frauen durch den Wettersturm in die Hütte schleppten.
„Da muß ein Doktor her!“ keuchte Marie. „Bleib du bei ihm, ich laufe in die Mühle hinab.“
Und durch den Regenguß und das Brüllen und Flammen um sie, eilte sie in die Mühle, und während ihr Sohn mit seinem leichten Wägelchen nach dem Doktor jagte, stieg sie mit stürmendem Herzen wieder empor zum Seeforst.
Heriberta von Steindl hatte einstweilen die beiden Knaben des triefenden Gewandes entkleidet und in Decken gewickelt auf der weichen trockenen Streu des Nebenraumes gebettet. Dabei ließ sie aber den Bewußtlosen nicht außer acht, aus dessen blutleeren, halbgeöffneten Lippen fortwährend ein Röcheln kam, das mitunter zu einem leisen Stöhnen anschwoll.
Frau Heriberta war ratlos. Sie hatte dem leblosen Manne die Kleider über der Brust geöffnet, aber es zeigte sich keinerlei äußere Verwundung und sie wußte nicht, was sie tun sollte.
So saß sie an dem Bettrande und starrte in einemfort in das bleiche Gesicht und ihre ganze selige Jugend zog an ihrem Auge vorüber. Wie sehr hatte sie dieser Mann da geliebt, wie schweres Leid hatte sie ihm zugefügt, und nun hatte er noch in aufopfernder Liebe das Letzte gerettet, was ihrem verlorenen Leben geblieben war: ihre Enkel.
Und da konnte Frau Heriberta nicht anders, sie mußte sich niederbeugen und die schlaff auf der Bettdecke liegende Hand küssen, die das Rettungswerk vollbracht hatte.
Und als hätte er die zarte Berührung der bebenden Lippen und die heiße Träne, die auf die Hand fiel, gespürt, schlug der Kranke die Augen auf und sah starr in die angstvoll fragenden Augen Frau Heribertas. Er mußte sich erst besinnen, was geschehen war.
„Wie geht’s dir, Heini?“ fragte Frau Heriberta und strich ihm eine feuchte Haarsträhne aus der Stirne.