Heinrich Binder aber war bis an den Rand des Wildbachbettes vorgesprungen und warf einen Blick in dieses hinab. Richtig, was er befürchtet, war eingetroffen, schon wälzte sich ein brauner Bach durch das Bett, das mit jedem Augenblick stieg und immer mehr und mehr Schlammassen herabwälzte. Keine fünf Minuten mehr und er war so stark, daß er die Knaben mit sich reißen mußte, hinunter in die grausige Tiefe des Sees.

Auch die Knaben hatten die Gefahr erkannt und begannen zu schreien.

„Habt keine Angst,“ rief ihnen der Kohlenbrenner zu, „springt da herab! Schaut, daß ihr auf den Stein dort kommt!“

Damit wies er auf einen Felsblock in der Mitte des Wildbettes, um den die braunen Schlammwasser zischten und schäumten.

Glücklich erreichte ihn der größere der Knaben und da sprang auch schon der Kohlenbrenner in die unheimlich rasch steigende Flut, watete die paar Schritte hinüber, faßte ihn und trug ihn ans rettende Ufer.

Der Kleinere aber, der nicht so rasch hatte folgen können, hatte sich ein kleines Stück weiter oben an einen Felsen angeklammert und schrie in seiner Todesangst wie ein Wahnsinniger.

Aber schon stand Heinrich Binder wieder im Wasser und obwohl er den Grund unter sich fortrieseln fühlte und Steine dahergesaust kamen, er arbeitete sich keuchend bis zu dem Knaben empor, der sich ihm an den Hals warf und diesen umklammerte, daß der Retter kaum atmen konnte.

Aber nun zurück. Binder hielt sich an der felsigen Uferseite, denn in der Mitte des Bettes war kein fester Grund mehr zu fassen. In jede Ritze der Felsen krallte er seine Finger, jede Zacke umklammerte er, mit dem Fuß zugleich immer nach dem nächsten sicheren Tritt tastend. Schon war er in nächster Nähe der Stelle, wo die zurückweichenden Felsen einen Sprung ans Ufer gestatteten, da schoß ein mächtiger Wasserschwall daher, er verlor den Grund, taumelte und wäre unfehlbar samt dem Knaben in die Tiefe gerissen worden, wenn nicht Frau von Steindl, ohne sich zu besinnen und das eigene Leben in die Schanze schlagend, in die quirlende Flut gesprungen wäre und mit der Kraft, die die Verzweiflung gibt, nach dem Köhler gefaßt hätte, während sie mit der Linken zugleich einen Fichtenschößling umkrallte, der am Ufer stand.

Und wirklich gelang es, daß sich der Köhler mit ihrer Hilfe wieder auf die Beine brachte. Während seine Hand ebenfalls nach dem Fichtenschößling griff, keuchte er ihr zu: „Schau, daß du hinauskommst und nimm das Kind, ich komm schon nach!“

Aber fast im selben Augenblick schoß, von den Fluten dahergesprengt, ein kopfgroßer Stein gegen seine Brust und mit ächzendem Aufschrei wollte Binder eben den Fichtenschößling loslassen, als auch Marie herbeisprang, den neuerdings Taumelnden erfaßte und mit Aufwendung aller Kraft ans Ufer zog.