Zwei Tage nach ihrer Begegnung mit dem Jugendgeliebten stieg sie wieder mit Marie und ihren beiden Enkeln zur einsamen Köhlerhütte empor.
Es war der letzte Augusttag, glutzitternd, wie die vorausgegangenen.
Während die Frauen mit dem Freunde im Schatten der Hütte saßen und von vergangenen Tagen sprachen, trieben sich die Kinder im Hochwald umher.
In ihr Geplauder vertieft, hatten es die drei Menschen nicht acht, daß über dem Gamsstein ein tellergroßes Wölklein aufgezogen war, das rasch anwuchs, die Sonne erst in dunstige Schleier hüllte und dann immer dunkler sich färbend, sich mehr und mehr über die Berggipfel senkte. Erst als der erste bange Windstoß durch den Wald fuhr, da schreckten die ganz in ihre Erinnerungen vertieften Menschen auf.
Ein Blick zeigte dem des Wetters kundigen Manne, daß in der nächsten Viertelstunde schon das Gewitter losbrechen mußte.
Da eilten alle drei, nach den Kindern rufend, in den Wald. Endlich ward ihren angstvollen Rufen Antwort. In dem Wildgraben, der vom See zum Gamsstein emporzieht, waren die beiden über Felsblöcke und Trümmerwerk emporgeklettert und nun schwenkten sie hoch herab ihre weißen Strohhüte und jubelten ihr stolzes: „Hurra!“
Da erhob Frau von Steindl ihre Stimme: „Kommt augenblicklich herab, in der nächsten Minute ist das Gewitter da!“ Und als wollte die Natur selbst ihre Warnung bestätigen, brach aus dem dunklen Wolkentuch ein fahler Blitz und langhin durch die Felsen rollte der erste Donner.
Nun begannen die Knaben abwärts zu klettern. Aber das ging noch langsamer als das Aufwärtssteigen, und als sie etwa ein Viertel ihres Weges zurückgelegt hatten, da flammte plötzlich ringsum blendender Schein, als schlage der ganze Wald in einer einzigen Lohe empor, der Boden bebte unter betäubendem Krachen und im nächsten Augenblick barsten die Wolken und mit dem mächtigen Rauschen eines Stromes schütteten sie ihr Wasser auf die ausgedorrte Erde.
Und nun war ein Brausen und Rollen und Schmettern und Flammen und Lodern ringsum, als sei der Tag der allgemeinen Vernichtung gekommen.
In den dichten Regenschleiern verschwanden die Knaben für einen Augenblick und die beiden Frauen schrien auf. Aber da erschienen sie auch schon wieder. Die Angst gab ihnen Kraft und Gewandtheit, daß sie schier wie Gemsen von Stein zu Stein sprangen.