Dass das vorstehende Verzeichnis vollständig sei, ist kaum anzunehmen. Nicht immer findet sich für eine Beschäftigung auch eine Berufsbezeichnung. Es treten dann wohl Umschreibungen auf. So findet sich in den Bedebüchern der Niederstadt von 1405 und 1406 Bl. 17 a, bez. 31 b: Else mit den hunden; sie wohnt in der Dieterichsgasse, wo allerlei armes Volk hauste, gab also wohl mit abgerichteten Hunden Vorstellungen. — 1372 Bdb. der Oberstadt 12 a: Else Leuben in dem kellerchen, die da kolen veyle hat, also eine Kohlenhändlerin. — 1359 Bdb. Oberst. 20 b: Katherine, dye daz crute hudet; Bedeutung unklar. — 1399 Bdb. Niederst. 14 a: Kedder, die die swebelkirzen dreit, also einer Verfertigerin oder Verkäuferin einer bestimmten Art von Kerzen. — 1424 Bdb. Oberst. 19 b: ein arm frauwe, dye der gefangen torin wartit umb gottis willen, also eine Wärterin bei einer Geisteskranken. — 1397 Heiligenbuch 32 a: eyne kolsche frauwe, die scheren feile hat vor dem Schrothuse; 1472 im Marktrechtbuch 5 b: die frauwe mit dem Colneschen zynwerg (beide als Verkäuferinnen auf der Messe). Dazu kommt eine Reihe unerklärbarer, aber auf Berufstätigkeit hinweisender Benennungen weiblicher Personen (z. B. weibelern, ulselmechern, setzependin, muselern).

[19] Vgl. auch Gengler, Stadtrechts-Altertümer, S. 36.

[20] Kriegk, Frankfurter Bürgerzwiste und Zustände im Mittelalter, S. 334 f. Eine Wechslerin und eine Pächterin der Stadtwage auch in Lübeck: Hartwig a. a. O. S. 51 f.

[21] Vgl. das Verzeichnis der Frankfurter Aerzte bei Kriegk, Deutsches Bürgert., S. 34 ff. Eine Münchener Augenärztin aus der ersten Hälfte des XIV. Jahrhunderts: Monum. Boic. XXXV., 2, 94. Weinhold, Deutsche Frauen, I., S. 170 ff. Aehnliches in Lübeck: Hartwig a. a. O. S. 52 f.

[22] Aus den Ausgaberegistern der Bürgermeister (»Botenbüchern«) habe ich mir folgende Fälle notiert: 1391 Bl. 2a: 5 grosse zweien frauwen, dem folke nachzulauffen, daz vor der stad was, biz gein Rockingen. — 1392 Bl. 7a: 6 ß junger h. einer frauwen zu lauffen gein Dippurg, gein Omstat und ubiral in dem Odenwalde, zu irfarn heymelich umb samenunge. — 1414 Bl. 4b: 4 ß alder vier frauwen in den walt und darumbe zu virslahen, als man sunderlich gewarnt waz.

[23] Vgl. das Gedicht Iwein, V. 6186 ff. Jäger, Ulm, S. 634. Mone, Zeitschr. IX., S. 138. XIII., S. 141 ff. Ueber Lübeck: Hartwig a. a. O. S. 63 f.

[24] Gesamtabenteuer II., 23 ff. Vgl. auch Hartwig, S. 64 ff.

[25] Vgl. Weinhold, a. a. O., S. 132. Norrenberg, Frauenarbeit und Arbeiterinnen-Erziehung in deutscher Vorzeit, Köln 1880, besonders S. 59 ff.

[26] Vgl. meine Bevölkerung von Frankfurt I, S. 343 f., 389.