Berufsgruppen und Berufsstellungen

männliche

weibliche

Erwerbs-
tätige
überhaupt

Erwerbstätige

A. Land- u. Forstwirtschaft,
Gärtnerei, Tierzucht,
Fischerei

  16.4

  67.1

  19.2

a) Selbständige und Betriebsleiter

 – 2.2

 – 5.4

 – 2.6

b) Verwaltungs- u. Aufsichtspersonal

   5.7

 –10.2

   2.7

c) Gehilfen, Lehrlinge (Arbeiter)

 – 6.5

  78.1

  11.7

B. Industrie einschliessl. des
Bergbaus

  35.4

  38.3

  35.9

a) Selbständige und Betriebsleiter

   0.1

 –11.9

 – 2.5

afr) Hausindustrielle

 –39.9

 –12.9

 –27.7

b) Verwaltungs- u. Aufsichtspersonal

 144.5

 585.7

 160.1

c) Gehilfen, Lehrlinge (Arbeiter)

  42.6

  61.4

  45.9

C. Handel, Verkehr,
Gastwirtschaft

  44.8

  60.7

  48.7

a) Selbständige und Betriebsleiter

  19.4

  21.2

  20.0

b) Verwaltungs- u. Aufsichtspersonal

  70.5

 564.8

  93.2

c) Gehilfen, Lehrlinge

  56.0

  65.8

  58.9

D. Häusliche Dienste und
wechselnde Lohnarbeit

 –24.1

  37.2

   9.1

E. Oeffentlicher Dienst und
freie Berufsarten

  16.1

  63.2

  21.9

Zusammen A–E 

  19.8

  56.6

  29.2

Mehr als die Hälfte der erwerbstätigen Frauen gehört der Berufsgruppe A an (1907: 4598986), in der die in der Landwirtschaft helfenden Familienangehörigen des Betriebsleiters sehr stark ins Gewicht fallen; auf die Berufsgruppe B kommen 2103924, C: 931373, D: 320904 und E: 288311.

[69] Das Einküchenhaus scheint schon bei dem ersten Versuche Fiasko erlitten zu haben. Dennoch hat ihm die »Neudeutsche Bauzeitung« vor kurzem eine Spezialnummer gewidmet, in welcher namhafte Architekten und Kunstschriftsteller sich über die »wirtschaftlichen und künstlerischen Möglichkeiten des Einküchenhauses« aussprechen. Von dem, was van der Velde darüber schreibt, sei folgendes wiedergegeben: »Man muss sich für die soziale und kulturelle Seite des Problems begeistern, und für diejenigen, die sich aufregen und leiden, wenn sie sehen, wieviele Frauen unter der Last tausend kleiner Haushaltungssorgen ihre besten Eigenschaften einbüssen, ist die Idee direkt erlösend. Ausserdem trägt sie den Keim zu einer noch vollständigeren Gemeinschaft zwischen in demselben Hause lebenden Menschen in sich. Denn wir werden uns nicht lange mit dem Haus begnügen, in dem nur die Küche gemeinschaftlich ist, wir werden auch bald den gemeinsamen Raum verlangen, wo für alle die Stiefel geputzt und die Kleider gebürstet werden, wo das Geschirr abgewaschen und alle grobe Hausarbeit von Angestellten einer Zentralorganisation verrichtet wird, die wir weder sehen noch hören werden und die wir nur für ihre Dienste entlohnen müssen. Alles drängt uns zu dieser Entwicklung, der Mangel an Dienstboten und der Wunsch, sie so wenig wie möglich um uns zu sehen.« Die Frauen haben, wie man sieht, alle Ursache zu dem Wunsche: Gott schütze uns vor unsern Freunden! Grenzt es nicht fast an Wahnwitz, wenn die Zeitungen im Anschluss an obige Ausführungen folgende Expektoration einer Amerikanerin beifällig wiederholen: »Fünfzig Feuer da, wo ein einziges genügen würde. Sie können ja an ihrem Tisch im Familienkreis mit ihren Kindern essen, wenn sie wollen, aber warum sollen fünfzig Frauen ihre Morgenstunde verlieren, um ein paar Tassen Kaffee zu machen und das so einfache Frühstück zu bereiten? Warum fünfzig Feuer, wenn zwei Personen und ein einziges Feuer genügen würden, um all das Fleisch und Gemüse zu kochen? Warum ist der Wert der Frauenarbeit niemals anerkannt worden? Warum sind die Frauen in jeder Familie, wo oft drei bis vier Dienstboten gehalten werden, gezwungen, ihre ganze Zeit (!) den Küchenangelegenheiten zu widmen? Weil selbst diejenigen, die die Befreiung der Menschheit wollen, nicht die Frau in ihrem Befreiungstraum verstanden haben — und weil sie es von ihrer hohen männlichen Würde herab für unwürdig halten, an diese »Küchenangelegenheiten« zu denken, die sie von sich abgewältzt haben auf die Schultern der grossen Dulderin Frau!«

[70] Die im Oktober 1909 in Berlin abgehaltene Generalversammlung des Verbands fortschrittlicher Frauenvereine meinte den Schrecken über die Ergebnisse der Berufszählung von 1907 dadurch überwinden zu können, dass sie einem »Verband für handwerksmässige und fachgewerbliche Ausbildung der Frau« das Wort redete. Sie ging dabei von der durch nichts beweisbaren Annahme aus, dass der Zuwachs erwerbstätiger Frauen seit 1895 durchweg aus »ungelernter Arbeit« bestehe. Die Frauen leisteten in der neuen deutschen Volkswirtschaft in überwiegendem Masse nichts anderes als »Kuli-Arbeit«. Dem soll nun abgeholfen werden durch fachgewerbliche Ausbildung. (Vgl. »Soziale Praxis« XIX, S. 55 f.) Ganz abgesehen von der Frage, ob hier von einer richtigen Annahme ausgegangen ist, wird man ernste Zweifel hegen dürfen, ob damit an der Tatsache etwas geändert werden kann, dass auch bei gleicher Leistung die Frauenlöhne niedriger sind als die Männerlöhne und dass die Erwerbsarbeit der Frauen — einerlei, ob sie »gelernte« oder »ungelernte« Arbeit ist — unter der heutigen Wirtschaftsorganisation in der Hauptsache nur abhängige Arbeit sein kann. — Uebrigens scheinen die Fälle, in denen eine ordnungsmässige Ausbildung weiblicher Handwerkslehrlinge Platz greift, schon jetzt ziemlich häufig zu sein, wie die Ergebnisse einer von dem erwähnten Verbande veranstalteten Erhebung vermuten lassen. Vgl. darüber Volkswirtsch. Blätter VIII (1909) S. 397.