Heut’ muß ich ernstlich mit ihr reden, nahm er sich vor. Heut’ auf dem Nachhausweg sag’ ich ihr alles, daß ich se lieb’, und daß der Wittmann kein Verkehr für sie is, und daß der Direktor Hermann ein alter Mädchenjäger sei, der schon viele Jungfrauen ins Unglück gestürzt habe.
Das letztere wußte er nicht so genau, aber er wollte es jedenfalls einmal behaupten. Jetzt kam’s auf eine Lüge mehr nicht mehr an.
Ich muß hart sein, beredete er sich, indes er die dreißig Coupons vierprozentige Bayerische Vereinsbank-Pfandbriefe der Antonie Hochburg nachzählte. Da sagt man immer – dreizehn, vierzehn – die Liebe veredle den Menschen – siebzehn, achtzehn – aber es ist nicht wahr – einundzwanzig, zweiundzwanzig – rachsüchtig und unaufrichtig macht die Liebe – sechsundzwanzig, siebenundzwanzig – und selbstsüchtig und boshaft – neunundzwanzig, zweiunddreißig.
Und dann mußte er die Coupons von neuem durch die Hand gleiten lassen, denn er hatte sich verzählt.
Benno legte sich die Rede zurecht, die er über Martha ergießen wollte. Aber er kam wieder einmal nicht dazu, seine Rede zu halten.
Denn als er mittags, wie gewöhnlich, am Portal der Bank wartete, ging Martha rasch an ihm vorbei, ohne ihn anzusehen.
Er hüpfte ein paar große Schritte, um sie einzuholen. Da drehte sie sich schroff um und sagte: »Ich verbitte mir Ihre Begleitung! Nehmen Sie erst einen Anstandskursus, damit Sie sich Damen gegenüber einen anständigen Ton angewöhnen!«
Zum erstenmal seit langer Zeit mußte Benno mittags allein bis zum Uhrtürmchen traben. Und der Prophet Elias kam sich in der Wüste nicht halb so verlassen vor wie der arme Benno in der belebten Kaiserstraße.
Trübselig guckte er an den Häusern empor und ihm war, sie erwiderten seinen Blick und starrten ihn mit ihren kalten Fensteraugen feindselig an.
Nicht einmal die mogelnde Kartenspielerin in dem Porzellangeschäft vermochte ihn aufzuheitern.