Und als der Schaffner ihn frug »Wohin?«, da antwortete er zerstreut: »Zweimal Wolfsschlucht!«, so daß das kleine Mariechen ihn ganz entrüstet korrigieren mußte: »Nach’m Sachsehäuser Berg, Herr Schaffner! Ein Erwachsenes und ein Kind unter sechs Jahren!«

Ein Trompetenstoß zerriß die Luft, gellend wie die Posaune des Jüngsten Gerichts.

Die Gräber öffneten sich – aber nicht um die Toten freizugeben, sondern um Millionen junger, blühender Leben zu nehmen.

Der Weltkrieg war ausgebrochen.

Ein heiliger Taumel ergriff unser Volk, mit seinem Blute dem Vaterland zu danken für alles Große, was es von ihm empfangen.

Auch Benno dachte enthusiastisch daran, sich unter die Scharen der Freiwilligen zu gesellen: Endlich war eine Gelegenheit da, dem geliebten Heimatland Treue mit Treue zu zahlen, durch die Tat sich des Ehrennamens Deutsch würdig zu zeigen.

Aber als er sich im Spiegel besah, da verzerrte sich sein leuchtendes Antlitz zu einer schmerzlichen Fratze. Er war ja ein Krüppel, ein lächerliches Spottbild, verglichen mit den sehnigen Gestalten, die von allen Seiten zu den Fahnen eilten.

Sie würden ihn auslachen. Und wenn er gewiß auch auf dem Schlachtfeld sich von keinem würde an Opfermut überbieten lassen – auf dem Exerzierplatz würde er eine komische Figur spielen, und sie würden seinen heiligen Eifer mit höhnischem Witzeln entweihen.

Er besaß nur eine einzige militärische Erinnerung, und die war beschämend genug. Vor vielen Jahren war er einmal gemustert worden, als er sein Einjähriges abdienen wollte, und da hatte der Stabsarzt mit einem lächelnden Blick auf seinen Buckel gesagt: »Sie brauchen sich erst gar nicht auszuziehen!« Und alle Anwesenden waren in schallendes Gelächter ausgebrochen.

Nein, er taugte nicht zum Soldaten. Die Natur, die ihn zum Krüppel geschaffen hatte, verwehrte ihm auch diesen Eingang zum Reiche der Unsterblichkeit.