Bitter empfand er es: Wieder einmal war er ausgeschlossen, wo es galt, Schönes, Großes, Ewiges zu vollbringen.
Auf der Bank rief der Ausbruch des Krieges zunächst ein großes Durcheinander hervor. Da waren ausländische Coupons, von denen man nicht wußte: sollte man sie noch einlösen oder nicht; da waren Stöße ausländischer Wechsel, auf die Kredite eröffnet waren, und deren Wert jetzt höchst zweifelhaft geworden war; alle Auslandspost blieb plötzlich aus; da belagerten überängstliche Kunden die Direktion, wollten ihre Depositen und Guthaben zurückziehen, baten um Ratschläge, die sie hinterher doch nicht befolgten; da schwirrten Alarmgerüchte abenteuerlichster Art über angebliche Schwierigkeiten bedeutender Unternehmungen, an denen die Bank beteiligt war.
Auch etliche Herren, die die Hilfe der Bank zu Kriegsspekulationen gewinnen wollten, stellten sich ein. Das Öl würde bestimmt in absehbarer Zeit knapp werden, sie hätten es aus bester Quelle; wenn man es aufkaufe, könne man ein Vermögen verdienen.
Diese ehrenwerten Mitbürger kamen freilich schneller die Treppe hinunter, als sie heraufgekommen waren.
Direktor Hermann erwies sich in diesen stürmischen Tagen als ein wahres Genie. Mit unerschütterlicher Ruhe und Sicherheit leitete er das Unternehmen, und fast alle seine Maßnahmen erwiesen sich späterhin als richtig.
Auch Antonie Hochberg erschien auf der Bank, um sich Rat zu erholen.
Sie bestürmte erregt den wehrlosen Hermann mit tausend Fragen, die ihr nicht einmal der Reichskanzler hätte beantworten können, wollte wissen, wie lang der Krieg dauern werde, und wie sich Hermann, der doch ein gescheiter Mann sei, die Friedensbedingungen denke.
Sie erinnerte sich noch deutlich des Deutsch-Französischen Krieges, sie konnte ihrem Alter nach auch noch das Jahr Achtzehnhundertsechsundsechzig miterlebt haben, und sie jammerte bei diesen Reminiszenzen anhaltend: »O Gott, o Gott, die armen Menschen, die armen Menschen!« Dabei trug sie aber beängstigend große Brillanten in den Ohren, und an ihren Fingern glitzerte eine ganze Juwelengeschäftsauslage.
Von den Schrecken des Krieges schweifte sie dann zu einer eingehenden Kritik des letzten Museumkonzerts ab, um mit der entrüsteten Schilderung des vorvorletzten Frankfurter Ehescheidungsprozesses zu schließen.
Eine Stunde lang hielt sie den armen Hermann auf, der die verzweifeltsten Anstrengungen gemacht hatte, sie schon früher mit höflicher Gewalt zum Gehen zu zwingen.