Unter den Beamten riefen die Einberufungen große Erregung hervor.
Da konnte man Charakterstudien machen.
Leute, die man allgemein für trockene, verschlafene Philister gehalten hatte, überraschten mit der Meldung, sie hätten sich freiwillig zum Heeresdienst gestellt; andere wieder, die im Schwadronieren stets Meister gewesen waren, liefen ob ihrer Einberufung mit Trauermienen umher und beschworen die Direktion, sie als unabkömmlich zu reklamieren.
Einer der ersten, die diesen beschämenden Gang in die Direktion antraten, war Herr Wittmann.
Er hatte gelegentlich einmal betont, Leutnant der Reserve zu sein – nun stellte es sich heraus, daß er niemals Soldat gewesen, sondern seiner Plattfüße wegen »Landsturm ohne Waffe« war.
Eifrig diskutiert wurde die Frage, wie sich die Bank ihren einberufenen Beamten gegenüber verhalten werde. Würde sie ihnen die Stellen bis zum Friedensschluß offenhalten? Würde sie den Familienangehörigen die Gehälter voll oder wenigstens teilweise auszahlen?
Die Beamten beschlossen, eine Deputation in die Direktion zu schicken, zu deren Sprecher der dicke Rehle gewählt wurde, der allseitiges Vertrauen genoß, und dem man vor allem das nötige Mundwerk zutraute.
Diese Maßregel erwies sich freilich als überflüssig, denn noch ehe die Deputation in Tätigkeit zu treten brauchte, gab die Direktion einen Ukas heraus, der den Wünschen der Beamten auf das weiteste entgegenkam.
Direktor Hermann hatte die Angelegenheit mit Direktor Birron besprochen, das heißt: er hatte gesprochen, und Birron hatte gesagt: »Es wird schon recht sein, Herr Kollege! Ganz wie Sie meinen!«
Amtliche Bekanntmachungen erschienen und wurden in den Bureaus angeheftet. Darunter auch eine Anweisung, wie sich die Bevölkerung im Falle eines möglichen Fliegerangriffes zu verhalten habe: die Straßen seien zu leeren, die Lichter zu löschen und Schutz in den Kellern zu suchen.