Was seinen Sohn anging, so beseelte ihn ein unerschütterlicher Optimismus: »Mei’ Sohn kimmt widder, da haww ich gar kaa Angst net! Es is ja aach der Vadder widderkomme! Des Heule unn Zähneklappern iwwerlasse merr de Weiwer! Dene dhut’s wohl, wann se als e bissi flenne könne!«
Um so pessimistischer sah der kranke Bittenberger, der Aufsichtsführer der Expedition, in die Zukunft. Auch seinen ältesten, mißratenen Sohn hatten sie geholt, und nun schwebte der arme Vater beständig in Todesängsten, sein Sohn könne beim Militär böse Streiche machen.
Ein erschütterndes Bild des Jammers war der alte Mann, wenn er des Abends als letzter, auf seinen Stock gestützt, die Treppe hinunter gewankt kam, und im ganzen Hause sagte man sich:
»So geht’s nicht mehr weiter mit dem Bittenberger! Wir sind doch kein Altersversorgungsheim! Er muß sich einfach pensionieren lassen! Mit solchen Leuten kann man nicht zusammen arbeiten!«
Benno Stehkragen glich in den ersten Kriegstagen einem Narren.
Er schämte sich vor jedem Soldaten, der an ihm vorüberging. Wozu bin ich überhaupt auf der Welt? grämte er sich. Wozu bin ich überhaupt zu gebrauchen? Wie kann ein Mensch vor mir Respekt haben? Wie kann ich mir einbilden, ein Mädchen könnt’ mich lieben?
Das häßliche Wort »Drückeberger« gellte ihm in den Ohren.
Wenn er noch wenigstens sich hätte in einem der Wohlfahrtsausschüsse nützlich machen können! Aber dazu ließ ihm sein Beruf keine Zeit.
»Ich sitz’ erum und fress’ andern Leuten ’s Brot weg,« klagte er sich an. »Ein Schmarotzer, ein überflüssiger Mensch! Draußen sterben Väter und Söhne, und ich sitz’ hinter’m warmen Ofen und les’ Leitartikel! Und was für welche!«
Zu den Käsbergers ging er jetzt fast gar nicht mehr, und der kleine Lebrecht bekam in der Schule einen Strafzettel nach dem andern. Seit Benno einmal angefangen hatte, dort die Rolle des bewundernden Verehrers zu spielen, erwarteten Katharine und insbesonders Großmama Käsberger von ihm deutlichere Erklärungen, und die brachte er nicht übers Herz.