Selbst Marthas Bild schien ihm in diesen Tagen in weite Ferne gerückt.

Er bekam sie nur noch selten zu sehen, denn Martha war nach dem Zusammenprall mit Wittmann aus dem Couponbureau versetzt worden.

Sie hatte dem Direktor Hermann die Affäre erzählt, und Hermann hatte kurz entschlossen angeordnet: »Von morgen ab sind Sie als meine Privatsekretärin in der Direktion beschäftigt! Sie sind doch damit einverstanden, liebes Fräulein?«

Höchst betriebsam ging es im Hause Petterich zu. Die gute, mollige Frau Josephine war völlig von allerlei Fürsorge für die Feldgrauen in Anspruch genommen. Sie, die sonst so sparsam mit Petroleum und Gas umgegangen war, saß jetzt bis spät in die Nacht hinein in der Küche und strickte Socken, nähte Leibbinden, wobei ihr das entzückte Mariechen bis neun Uhr abends helfen durfte.

In jedes Paar Socken webte sie die ehrlichsten Segenswünsche hinein, aber auch urkräftige Flüche gegen unsere Feinde:

»Verhaacht die miserawele Franzose, daß die Lappe flie’e!! Nix wie druff uff die schleechte Engelänner!! Kabutt misse se wer’n, die ganze Lumpegesellschaft!! Mir soll nor noch emal e Engelänner ins Haus komme!! De ganze Kücheschrank krieht’r uff de Kopp!! Wann ich nor en Russ’ da hätt’ – ich dhät’ dem Oos de Buckel mobilisiere, daß er genug hätt’ for die nächste hunnert Jahrn!!«

So schimpfte die gute Frau Petterich, während die Stricknadeln klapperten, in ihrer ehrlichen Entrüstung.

Für ihren Mieter hatte sie nur mehr wenig Zeit übrig, und das war Benno lieb, denn er hätte jetzt die Lobreden auf den seligen Schorsch nicht ertragen können.

Weshalb läßt du mich nicht sterben, lieber Gott! flehte er. Du führst doch Buch über die Taten aller Menschen, über die guten und die schlechten, vielleicht is bei dir ein Stellchen frei als Buchhalter? Ich will ja aufs genaueste Buch führen, und ich will ohne Murren Überstunden machen und nix sagen, wenn du merr die ekligste Seele im ganzen Himmel zum Bureauchef gibst! Nur nimm mich weg aus dieser Welt!

Oder er dachte in seiner närrischen Art: Wenn ich nur emal den Kaiser persönlich sprechen könnt’! »Majestät,« tät’ ich sagen, »Majestät, vielleicht is irgendwo ein verlorener Posten, auf den man einen opferwilligen Menschen braucht, vielleicht is irgendwo was in die Luft zu sprengen und man weiß bestimmt, der Mann fliegt mit in die Luft – nehmen Se mich dazu, Majestät! Ich bitt’ Se um alles: nehmen Se mich! Sie werden Ihre Freud’ an mir erleben!«