Wohl eine Stunde war verflossen, als sie vor Marthas Wohnung anlangten.
Sie standen im grellen Licht einer Laterne, Benno hielt ihre Hand umschlossen und flüsterte: »Ich will heut’ noch keine Antwort, heut’ noch nicht. Aber lassen Sie mich nicht zu lange auf Ihre Entscheidung warten, Martha! Sie wissen nicht, wie ich leide, und wie bitter ich schon durch Sie gelitten hab’!«
Martha drückte ihm die Hand und eilte, wie flüchtend, in das Haus.
Beseligt schaute Benno ihr nach.
Er war von einem schweren Bann erlöst, er hatte den Mut gefunden, ihr von seiner Liebe zu sprechen, er fühlte sich so stark, er hatte den Kampf um sein Glück aufgenommen, und er würde ihn durchfechten und sein Glück zu verteidigen wissen.
Oben in ihrem Zimmer aber lag Martha auf der Chaiselongue, drehte die Daumen und überlegte, überlegte ...
Seit diesem Abend wurde sie nicht mehr auf der Bank gesehen.
Niemand wußte, wohin sie gekommen war.
Bis eines Vormittags ein Beamter aus der Korrespondenz lachend in das Couponbureau gestürzt kam und jubelte: »Neues von Fräulein Böhle! Das Neueste vom Direktions-Kriegsschauplatz! Hurra, es ist so weit: Direktor Hermann hat ihr eine Wohnung auf der Eckenheimer Landstraß’ gemietet! Bald fährt sie auf Gummirädern und – nanu, was haben Se denn, Herr Stehkragen?«
Benno war röchelnd zurückgesunken.