Er legte sich in den Kleidern aufs Sofa und verfiel alsbald vor Erschöpfung in einen fiebrigen Schlummer.
Qualvolle Träume suchten ihn heim.
Er sah sich im Couponbureau, die Couponkasse stimmte nicht, und je öfter er nachzählte, desto größer wurde der Fehlbetrag, und desto höher wurde seine Verzweiflung. Er zählte immer eifriger und eifriger, schneller und schneller, der Angstschweiß stand ihm auf der Stirne, und plötzlich riß ihm ein heftiger Windstoß die Coupons aus der Hand, daß sie in groteskem Wirbel ihn umtanzten. Aber nun waren es keine Coupons mehr, sondern scheußliche kleine Teufel, über das Pult krochen ekle Schlangen, eine große, schlüpfrige Kröte guckte aus dem Tintenfaß, und als er sich in seiner Not umsah, da saß auf dem Platz des Bureauchefs in einem schwarzen Mantel der Direktor Birron und hielt als Zepter einen Totenschädel aus der Wolfsschlucht in der Hand, und nickte beständig mit dem Kopf und lallte: »Es wird schon recht sein, Herr Kollege, es wird schon recht sein!«
Entsetzt schrie Benno im Schlaf auf.
Frau Petterich stürzte in das Zimmer und schüttelte ihn vollends wach.
»Um Gottes wille, was hawwe Se dann?« wehklagte sie, »Sie kreische, daß merr maane könnt, es brennt!«
Und da sie Bennos verstörte Augen sah, setzte sie sich mütterlich neben ihn und fing an zu weinen.
Der arme, unglückliche Benno verspürte einen hilflosen Drang, seinen Kopf in ihren Schoß zu legen, die Augen zu schließen und nichts zu denken ... nichts zu denken. Aber er traute sich nicht.
»Wann nor mei Schorsch-selig noch lewe dhät,« schluchzte Frau Petterich, »der dhät Ihne schon de Kopp zurechtsetze!«
Aber es dauerte nicht lang, und die resolute Frau Petterich hatte ihr seelisches Gleichgewicht wiedergefunden. Sie war überzeugt, daß nur die Liebe zu Katharine Käsberger, »dere Komödiantin«, an Bennos Verzweiflung schuld sei, und deshalb sprach sie so sanft, als es bei ihren kräftigen Stimmitteln möglich war: »Lasse Se emal vernimftig mit sich redde, Herr Stehkrage! Wann’s halt gar net annerschter gehe dhut, wann Se’s halt gar net aushalte dhun, no, dann gehn Se in Gottes und Dreideiwels Name niwwer zum ahle Käsberger unn halte Se um sei schepp Dochter an! Er gibbt se Ihne mit Handkuß! Er zahlt noch was druff! Unn de klaane Lebrecht kriehe Se gratis unn franko in die Eh’!«