Benno fuhr auf.
Ja, Frau Petterich hatte recht: das war das letzte Mittel, seinem Zustand ein Ende zu machen. Er wollte Katharine Käsberger heiraten, nicht weil er sie liebte, sondern weil er ein Wesen brauchte, für das er sorgen konnte, weil er seinem verpfuschten Leben irgendeinen Inhalt geben mußte, und sei es auch nur die pflichtkalte Fürsorge für ein ungeliebtes, verblühtes Mädchen.
Er wollte gleich vom Sofa springen, doch Frau Petterich drückte ihn sanft nieder: »Ehrscht dhun Se Ihne e bissi erhole! Sie gukke ja aus, als ob Se aus’m Friedhof dorchgebrannt wärn! Nor ruhig Blut! Hat der Käsberger sei’ Dochter so lang uff’m Buckel gehabbt, kann er se aach noch finf Minute länger drowwe hawwe!«
Aber Benno war nicht mehr zu halten. Er riß seinen Hut vom Haken und stürmte geradewegs zu Katharine.
Bekümmert sah ihm Frau Petterich nach und murmelte:
»Liewer Gott, mach’s gnädig! Laß se wenigstens kaa Kinner kriehe! Dann bei dene Eltern wern’s doch nor Unglickswermer!«
Als Benno bei Käsbergers schellte, öffnete ihm ein fremder Mann, der ihn vom Kopf bis zu den Füßen maß, sein Gesicht zu einem Grinsen verzog und dann mit herablassendem Schauspielerpathos sprach: »Junger Mann, wenn mich Ihr Buckel nicht täuscht, habe ich das Vergnügen mit Herrn Benno Stehkragen! Sie sehen in mir den bekannten Gesangspädagogen und Heldenbariton Breivogel, Lebrecht Breivogel. Ich bin gestern von einer längeren Kunstreise zurückgekehrt, die mich an die verschiedensten Fürstenhöfe führte. Davon ein andermal! Heute feiere ich die Wiederverlobung mit meiner geliebten Braut. Wenn Sie aber ein andermal wiederkommen, junger Mann, sollen Sie uns hochwillkommen sein!«
Damit machte er eine gravitätische Verbeugung und schloß die Türe.
Fort, fort! stöhnte Benno. Nur fort! Auf die Bank, dort ist dein Platz! Eine Maschine unter Maschinen!
Und während er wie ein Besessener durch die Straßen eilte, dachte er: Was habe ich nur verbrochen, daß Gott mich so hart straft!