Der zittrige Bittenberger glich nun vollends einer Ruine, nachdem sein ältester Sohn in einem der ersten Gefechte gefallen war.
Aufsehen erregte ein fremder blonder Mann in tadellosem Gehrock.
Er war der Vater des Kindes, für das Benno sein Leben dahingegeben hatte. Er war mit der Absicht gekommen, ein paar Sätze am Grabe zu sprechen, aber als sich die Beerdigung so in die Länge zog, gab er diese Absicht auf und stand nun etwas geniert, mit seiner goldenen Uhrkette spielend, unter den unbekannten Leuten.
Frau Petterich war trostlos gewesen, als sie erfahren hatte, daß an jüdischen Begräbnissen keine Frauen teilnehmen.
Sie saß, während Benno zu Grabe getragen wurde, in seinem Zimmer und weinte mit dem Mariechen um die Wette.
Und schluchzte abwechselnd bald: »Der arm’ Herr Stehkrage’!« und bald: »Mei guder seliger Schorsch!«
Die Trauerversammlung zerstreute sich. Der Sperling, der auf dem benachbarten Grabstein gesessen hatte, flog auf den frischen Grabhügel und begann lustig und unbekümmert zu zwitschern.
Benno aber lag friedlich in seinem Sarg, gekleidet nach alter Vätersitte, und um seine Lippen spielte das Lächeln der Toten.
Anmerkungen zur Transkription: Dieses elektronische Buch wurde auf Grundlage der 1917 in der Reihe »Ullstein-Bücher – Eine Sammlung zeitgenössischer Romane« erschienenen Ausgabe erstellt.