Nach dem Geistlichen sprach Direktor Hermann, und er nannte Benno das Muster eines pflichtgetreuen Beamten, dem die Bank stets ein ehrendes Andenken bewahren werde.

Mitten in der Rede sah er auf die Uhr, denn er hatte das Gefühl, es sei schon spät, und er durfte doch in dieser aufgeregten Zeit keine Börsensitzung versäumen.

Für die Beamten krähte Herr Rittershaus einige trockene Worte, die er sich für solche Gelegenheiten auswendiggelernt hatte.

Als er zu der Phrase kam: »Und so lege ich diesen Kranz am Grabe des Entschlafenen nieder,« fiel ihm plötzlich ein, daß es ja bei jüdischen Begräbnissen keine Blumenspenden gibt, und daß er gar keinen Kranz in den Händen hatte, und es entstand ein peinliches Räuspern.

Auf einem benachbarten Grabstein saß ein Sperling, zirpte und beschaute sich die Trauerversammlung.

Da war unter anderen Herr Käsberger, der wieder seinen Stiftungsfestgehrock anhatte und sich vergeblich bemühte, den ungezogenen kleinen Lebrecht im Zaum zu halten.

Auch Herr Breivogel war erschienen und erzählte während der Leichenreden einem ihm völlig unbekannten Bankbeamten von seinen beispiellosen künstlerischen Erfolgen. Er gedenke, demnächst auch in Frankfurt ein Konzert zu geben. Und der Bankbeamte schiene ihm, soweit er dies nach dem Sprechen beurteilen könne, eine ausgezeichnete Stimme zu besitzen, ja, er habe in Anbetracht seiner herrlichen Bühnenfigur geradezu ein Vermögen in der Kehle, und er, Lebrecht Breivogel, sei gerne bereit, diese Stimme einmal ausnahmsweise, aber wirklich nur ganz ausnahmsweise, völlig kostenlos zu prüfen.

Der dicke Rehle war in der Uniform eines Vizewachtmeisters erschienen und nahm sich gar stattlich aus. Ihm liefen die Tränen über die Backen, als sie Bennos Sarg zunagelten.

Ferner war da der Herr Seligmann, der wehmütig seufzte: »Er hat mich zwar damals Sonntag Abend sitzen lassen und is nicht zum polnischen Karpfen gekommen, aber ein seelenbraver Mensch war er doch!«

Der stoppelbärtige Joseph schluchzte trostlos; da ihm die gewohnte Serviette fehlte, wußte er nicht recht, was er mit der rechten Hand anfangen sollte, und drehte verlegen seinen vorsintflutlichen Zylinder. Er flüsterte dem ehrlich betrübten alten Binder zu: »Es war ein lieber Mensch, bloß in der letzten Zeit e bißchen meschugge! Gott hab’ ihn selig!«