Die Fliegergefahr hatte sich als falscher Alarm erwiesen. Aber sie hatte dennoch ein blutiges Opfer gefordert.
Auf dem Sofa in der Direktion lag Benno. Der alte Binder hatte eine Decke über die zerschmetterten Glieder gebreitet. Benno hatte die Augen geschlossen, seine rechte Hand tastete suchend durch die Luft und geriet an Direktor Birrons welke Finger, die er sogleich umschloß und zärtlich streichelte.
Birron warf einen hilflosen Blick auf Direktor Hermann, er wollte seine Hand zurückziehen, aber als Hermann ihm zunickte, überließ er sie achselzuckend dem Sterbenden.
»Martha,« flüsterte Benno, indem er fortfuhr Birrons Finger zu liebkosen, »Martha ... nun sterbe ... ich doch ... gewissermaßen ... fürs ... Va ... ter ... land ...!«
Er schlug die Augen auf, legte den Kopf zur Seite, stöhnte –
Der alte Binder zog ihm die Decke über das Gesicht und nahm die Mütze ab. Und Direktor Hermann frug: »Hat er Verwandte, die man benachrichtigen muß?«
Drei Tage später wurde Benno begraben.
Eine zahlreiche Trauerversammlung gab ihm das letzte Geleit.
Der Vorstand der Jüdischen Gemeinde war vollzählig vertreten und der Rabbiner hielt eine schöne Leichenrede, in der er den Verstorbenen als einen frommen, gesetzestreuen Juden pries und ihn als einen guten Menschen lobte. Bei einer guten Tat, bei der Rettung eines Kindes habe er ja auch sein Leben eingebüßt.
Er habe zwar nicht das biblische Alter erreicht, dafür aber sei er ein wahrhaft glücklicher Mensch gewesen.