Schade, daß Martha eine solche Vorliebe für das Theater besaß.
Es war Benno ein Rätsel.
Und dennoch war dieses Rätsel so einfach zu lösen:
Er, Benno Stehkragen, besaß eine ungestüme, krause Phantasie, die freien Flug brauchte. Die sinnfällige Darstellung von Kunstwerken auf der Bühne legte seiner Phantasie Ketten an. Im Theater befand sich nicht nur seine kleine, buckelige Körperlichkeit in einem geschlossenen Raum, auch sein Empfinden, sein Denkvermögen waren in eine große Schachtel eingesperrt, wie ein Maikäfer in eine Botanisierbüchse, und stießen auf allen Seiten schmerzhaft an, sobald sie sich zum Fliegen anschickten.
So war es ihm schon als Kind gegangen.
Als kleiner Bub hatte er einmal zum Geburtstag einen großen Baukasten erhalten. Damit baute er die wunderschönsten Häuser, Brücken und Paläste.
Aber es lag diesem Baukasten auch ein Heftchen mit Vorbildern und Anleitungen bei – und nach diesen Vorbildern brachte er beim besten Willen nichts zustande.
Der Vater, zornig über den dummen, ungeschickten Jungen, zankte, und Benno zog sich verschüchtert mit seinem Baukasten in die dunkle Speisenkammer zurück, kauerte auf den kalten Boden nieder und errichtete dort in der Finsternis die herrlichsten Schlösser.
Hatte er eines beendet, so öffnete er die Türe, ließ das Licht hereinfallen, bewunderte sein Werk und belohnte sich freigebig mit den Rosinen, die so nahe standen.
Bis seine Mutter fand, daß diese eigenmächtigen Belohnungen zu tief in ihr Haushaltungsbudget eingriffen, und der Baukasten in einem wohlverschlossenen Schrank verschwand.