Wahrhaftig, der Siegfried hätte ihm mehr imponiert, wenn er sich inmitten der redenden Tiere hoch aufgerichtet und mit Rittershausens Stimme dazwischengekräht hätte:
»Ruhe! Während der Arbeitszeit wird nicht geschwätzt!«
Aber das Unverzeihlichste war die Erweckung Brünhildes.
Wenn er, Benno Stehkragen, ein gepanzertes Weib in einem Feuer, das nicht versengte, im besten Schlaf gefunden hätte, er hätte sie nie und nimmer geweckt.
Ja, ein kleines Kind, das hätte er auf den Arm genommen und ihm das Köpfchen gestreichelt und ihm zugeredet: »Du brauchst dich nicht vor dem Feuer zu fürchten!« und hätte es mit nach Hause genommen und bei sich behalten, bis sich die Mutter meldete.
Aber ein Weib mit Schwert, Helm und Brünne, gepanzert bis über die Nasenspitze?
Nein, das war keine Partie für Siegfried. Er hätte dem Siegfried ein wunderzartes, treues, hingebendes Mägdelein zum Weibe gewünscht, aber nicht eine rabiate Athletin, die im Freien übernachtete und eine ganze Waffenkammer mit sich herumtrug.
Und wenn sie von selbst erwacht wäre, so hätte er, Benno Stehkragen, an Siegfrieds Stelle gesagt: »Entschuldigen Se, falsch verbunden!« und hätte die Brünhilde Brünhilde sein lassen.
Nein, dieser Siegfried war kein reiner Held für seine Begriffe.
Und so erging es ihm mit den meisten Helden der Oper und des Musikdramas: sie sangen wohl recht schön, wenn auch ein bißchen viel und lang, aber lieben konnte man sie nicht, noch sich für ihre Taten begeistern.