Benno begriff Marthas Vorliebe fürs Theater nicht recht.
War es nicht viel genußreicher, die Werke unserer Klassiker daheim im stillen Stübchen mit Andacht zu lesen, als sie sich zwischen bemalten Pappdeckeln und Leinwand vorgestikulieren zu lassen?
Und von Musik, so sehr er sie liebte, verstand er nicht viel.
Ein Lied konnte ihn tief rühren, aber die stundenlange lärmende Opernmusik sagte ihm nichts.
Er war mit den meisten Opernhelden durchaus nicht einverstanden.
Da war zum Beispiel der Siegfried, ein Held, für den man sich wohl begeistern konnte, solange er sich in Mimes Schmiede befand und Ambosse entzweischlug. Auch daß er den Fafner tötete, war aller Achtung wert – schon weil der Drache so dummes Zeug redete. Es gibt in der menschlichen Großstadt schon genug quasselnde Drachen – braucht’s auch noch im Wald solche Viecher zu geben?
Also bis dahin war gegen den Siegfried nichts einzuwenden.
Aber weshalb kümmerte sich dieser unverdorbene, jugendstrotzende Naturbursche um den Nibelungenschatz und den Ring?
Für so etwas durfte ein Held, in Bennos Augen, keinen Sinn haben. Das war geradeso, als hätte man ihm seinen angebeteten Schiller beim Couponschneiden abgemalt!
Und was das Waldvöglein erzählte, das mußte dem Siegfried erst recht ganz schnuppe sein! Ein Held durfte sich nicht von einem Piepmatz verführen lassen.