Bittenberger winkte traurig mit der zittrigen Hand ab. Er dachte daran, was aus seinem ältesten Sohn werden würde, wenn er selbst nicht mehr da wäre ...
»Also Gute Nacht, Binder!« seufzte er und humpelte durch das Portal.
Kopfschüttelnd sah ihm Binder nach. Auch er seufzte jetzt.
»Ja, des is e Lewe!« philosophierte er. »Da soll merr noch an e Gerechtigkeit glaawe! E Saustall is die ganz’ Welt! E Saustall, unn nix weider!«
Er nahm die großen Schlüssel von der Wand und verschloß das schwere Eisentor vor dem Portal.
Dann machte er den allabendlichen Rundgang durch sämtliche Räume des Hauses, sah nach, ob überall die Rolläden geschlossen und die Lampen ausgedreht seien, zog die Kontrolluhren für die nächtliche Ronde auf, überzeugte sich noch einmal, ob die Panzertür, die zu den Kellergewölben führte, verschlossen war, und schaltete die elektrische Klingelleitung zum Schutze gegen Einbrecher ein.
So, jetzt war sein Tagewerk vollbracht.
Mit ruhigem Gewissen konnte er das Schlüsselbund dem Nachtportier übergeben und sich in seine kleine Wohnung, bestehend aus drei neben der Portierloge gelegenen Zimmerchen, zurückziehen, wo seine Frau und sein Sohn bereits bei Hering und Pellkartoffeln auf ihn warteten.
Martha hatte sich mit einem kurzen »Guten Abend« vom Couponbureau verabschiedet.
Flüchtig und zerstreut klang dieser Gruß. Denn ihre Gedanken weilten schon halb im Theater oder Kino, wo es den vortrefflichen Spieltenor Schramm als David, die süße Henny Porten als erstaunlich schicksalsreiches Findelkind zu bewundern gab.