Es hatte wieder Verschiedenes nicht gestimmt, und Bittenberger wankte, auf seinen Spazierstock gestützt, bekümmert und hoffnungslos die Treppe hinunter, in der Gewißheit, daß ihn zu Hause noch weit härterer Kummer erwartete.
Für die letzten Briefe war es richtig wieder zu spät zur Postablieferung geworden. Und da sich ein wichtiges Schreiben nach Norddeutschland darunter befand, so mußte halt ein Kassenbote nachts nach zehn Uhr diesen Brief persönlich in den Berliner Schnellzug werfen.
Der betreffende Kassenbote hatte darob den schuldlosen Bittenberger mit einer Flut von Vorwürfen und massivsten Grobheiten übergossen, die der greise, kranke Mann zitternd und wehrlos über sich ergehen ließ.
»Gu’n Nacht, Vadder Bittenberger,« grüßte der alte Binder, als Bittenberger an der Portierloge vorbeikam.
Auch der alte Binder hatte schon lange ungeduldig darauf gewartet, daß »die oben in der Expedition« endlich fertig würden, aber er ließ den kranken Kollegen nichts von seiner Ungeduld merken. »Gu’n Nacht, Vadder Bittenberger! Alleweil fleißig! Alleweil morjens der ehrschte, awends der letzte!«
Bittenberger lächelte müde. Ja, der alte Binder war eine gute, ehrliche Haut, der sagte ihm gerne was Liebes – aber was nützte das?
»Wie geht’s dann alleweil, Vadder Bittenberger? Was macht des verflixte Asthma?«
»Schlecht geht’s, Binder! Schlecht! Ich werd’ wohl nicht mehr lang mitmachen.«
»Gell, mache Se kaan Stuß!« protestierte Binder, scheinbar tief entrüstet. In Wahrheit teilte er vollkommen Bittenbergers pessimistische Ansicht.
Und indem er die Sache ins Scherzhafte hinüberzuleiten suchte, fuhr er fort: »Leut’ wie mir zwaa! In de beste Jahr’n! Basse Se nor uff: mir schdecke noch manche Neujahrsgradifikatio’ ei’, eh merr ans Abkratze denke!«