Da fehlten zuweilen die in den Briefen erwähnten Einlagen, die nach langem Suchen endlich in irgendeinem Bureau gefunden wurden; da war ein Brief, zu dem kein Umschlag geschrieben war, und dort war ein Umschlag, zu dem kein Brief heraufkam.
Dann wieder stimmte eine Umschlagadresse nicht mit der Briefadresse überein, auf dem Umschlag stand Gebrüder Lautenschläger in Pforzheim, und im Brief stand Gebrüder Lautenschläger in Bückeburg; es mußte konstatiert werden, wo eigentlich die Gebrüder Lautenschläger residierten, und das verursachte wieder einen höchst unerwünschten Aufenthalt.
Ferner kam es vor, daß der Expedient eine Einlage in ein falsches Kuvert gesteckt hatte, so daß sie jetzt an der richtigen Stelle fehlte und nicht gefunden werden konnte und unter Umständen die sämtlichen Briefe wieder aufgerissen werden mußten.
Und zwischen den Expedienten liefen die Kassenboten herum und drängten zur Eile:
»Wir kommen zu spät zur Post! Die Briefe werden uns nicht mehr am Schalter abgenommen, wenn wir nach dreiviertel Acht kommen! Wir können uns nicht die Lunge aus dem Hals laufen!«
Waren die Briefumschläge geschlossen, so wanderten sie in die Hände des aufsichtführenden, greisen Herrn Bittenberger, der sie frankierte.
Dieser Posten galt halb und halb als Gnadenbrot.
Bittenberger, der an Schreibkrampf litt, und dessen Hände beständig zitterten, war seit Jahren pensionsberechtigt. Aber die Pension betrug nur drei Vierteile des Gehalts, und Bittenberger, der eine zahlreiche Familie und einen mißratenen ältesten Sohn hatte, konnte und wollte nicht auf das vierte Viertel seines Gehalts verzichten.
Was sollte die Direktion tun? Einem so greisen Beamten kündigen? Nein, das ging nicht. So hatte man ihn denn auf diesen stumpfsinnigen Posten gesetzt. Mochte er dort weiterwursteln, solange es sein kläglicher Gesundheitszustand zuließ!
Schließlich erlosch auch das Licht in der Expedition.