Benno Stehkragen war verliebt, rettungslos verliebt.
Freilich, hätte ihm jemand auf den Kopf zugesagt: »Herr Stehkragen, Sie haben sich in Fräulein Böhle vergafft,« er hätte es nicht geglaubt.
Verliebt? Er? – Wieso?
Wenn man ein Weib liebt, so begehrt man es doch. Man will sie küssen, sie in seine Arme schließen, sie ganz für sich allein besitzen, mit ihr, für sie und durch sie glücklich sein.
An so etwas aber dachte Benno Stehkragen mit keinem Gedanken.
Nicht ihr üppiges blondes Haar, nicht ihre weichen Arme, nicht ihre Schlankheit oder ihr hübsches Gesicht wollte er sich zu eigen machen – es war der Duft von Jugend, von lachender Frische, der ihn unterjochte.
Er spiegelte sich in diesem Quell, der sein Bild tausendfach verklärt zurückwarf – aber sollte er mit plumpen Füßen hineintappen und den Quell schlammaufwühlend trüben?
Martha war für ihn ein Heiligtum, das man nicht berühren durfte.
Er konnte sich kaum vorstellen, daß er den Saum ihres Kleides küssen würde, und gar ihre roten Lippen? – Niemals.
Ich und Martha vereint, dachte er bitter, das wär’, als wollt’ man ein Reh mit einem Pavian kreuzen!