Seine Liebe war ein wortloses Anhimmeln, und wenn Benno Stehkragen nicht ein so ausgereiftes Männlein gewesen wäre, hätte man es pennälerhaft nennen dürfen.
Vor dem Bilde Marthas verschwand ihm das Bild eines anderen Mädchens, das ihn bisher manches Mal beschäftigt hatte: das Bild des Fräuleins Rita von Veldern.
Wer war das?
Begleiten wir den kleinen, buckeligen Benno ein wenig auf dem Nachhausewege, sehen wir uns ein bißchen sein Junggesellenheim droben auf dem Sachsenhäuser Berg an; so wird auch in diese bis jetzt noch dunkle Angelegenheit Licht kommen.
Benno ging die Kaiserstraße hinunter. Er hatte am Vormittag in Marthas Begleitung keine Zeit gehabt, sich die Schaufenster zu betrachten, und er holte das jetzt mit Behagen nach.
Besonders die Auslagen eines Porzellan-Geschäfts fesselten seine Aufmerksamkeit.
Da war seit etlichen Wochen eine zierliche Rokokopuppe ausgestellt: zwei Edelleute und zwei Hofdämchen, die gemeinsam Karten spielten. Benno hatte den Gesichtsausdruck der vier spielenden Figürchen genau studiert, und er war sich darüber klar geworden: die eine Dame mogelte.
Jawohl, die eine Dame, die gerade das Herz-As ausspielte, und zu deren Füßen ein Windhund kauerte, mogelte ungeniert.
Jeden Tag betrachtete er sich die Gruppe von neuem und dachte sich: Merken die’s denn immer noch nicht, daß das Luder mogelt?
Wenn die Kaiserstraße nicht eine so belebte Straße gewesen wäre, wahrhaftig, er hätte leise an die Fensterscheibe geklopft: »Attention, mesdames et messieurs, c’est votre amie, qui mogelt!«