Er selbst hätte sich vor Lachen schütteln können.
Das Herrlichste waren entschieden die blondzöpfigen Mädchen, die an einem Tisch saßen und mit verklärten Kalbsaugen irgendwohin nach der Decke sahen, als ob sie sich in den Gaslüster verliebt hätten. In der Ecke stand etwa:
Weilst du auch ferne in der Ferne,
Ich schwebe bei dir überall,
Ich hab’ dich ja so lieb und gerne
Und lausch’ dem Lied der Nachtigall.
Also die Nachtigall war an den Kalbsaugen schuld – nicht der Gaslüster.
In vergnügtester Stimmung kam Benno am Uhrtürmchen an, wo er wieder durch die Promenade nach der Großen Gallusgasse abbog.
Das war eigentlich ein kleiner Umweg, aber er machte ihn täglich, um das Stückchen Promenade, inmitten des Häusermeeres, zu genießen.
Und dann stand in diesem Abschnitt der Frankfurter Anlagen, die den beneidenswertesten Schmuck der Stadt bilden, der Trompetenbaum.
Vor vielen, vielen Jahren, als Benno noch in die Schule ging, hatte der Naturgeschichtslehrer die Klasse auf diesen Baum aufmerksam gemacht und empfohlen, sich die eigenartig geformten Blätter zu betrachten.
Der Lehrer war nun schon lange tot, aber noch immer stand alltäglich Benno vor dem Trompetenbaum still und beschaute ihn ein Weilchen. Und dachte dabei hie und da des ehemaligen Naturgeschichtslehrers, des Professors Noll, der der Abgott aller seiner Schüler gewesen war.
Noch aus einem anderen Grunde bog Benno Stehkragen am Uhrtürmchen links in die Promenade ab: rechts vom Uhrtürmchen stand in den Anlagen das Riesendenkmal Bismarcks, das er nicht leiden konnte.