Dort war ein verrostetes Blechschild angebracht mit der Aufschrift: »Adam Käsberger, Schornsteinfeger.«
Und darunter war eine schmutzige Visitenkarte angenagelt, der die rechte obere Ecke fehlte: »Rita von Veldern, Mitglied des Frankfurter Opernhauses.«
Benno nahm ehrfurchtsvoll seinen Hut ab und machte eine tiefe Verbeugung.
Also Rita hieß sie. Natürlich kam es ihm so vor, als hätte er noch nie einen schöneren Namen gehört.
Er hätte sich gar nicht gewundert, wenn sich in diesem Augenblick die Tür geöffnet hätte und eine Prinzessin hervorgetreten wäre, um ihn mit einer unsagbar lieblichen Geste einzuladen: »Treten Sie näher in unser Königreich.«
Und er hätte dann mit verklärtem Antlitz gestammelt: »Sehr angenehm! Königliche Hoheit gestatten, daß ich mich vorstelle: Benno Stehkragen, Beamter der Industriebank. Noch zu haben!«
Aber die Tür öffnete sich nicht. Wohl aber entfiel den zitternden Händen Bennos der Hut und rollte die vier Treppen hinab, und hinter ihm her rollte alsbald Benno Stehkragen, erhaschte im Hausflur seinen Hut, der nun allerdings nicht mehr aussah, als ob er aus einem Königreich käme, und machte sich auf den Heimweg.
Und obwohl der Text zu Lohengrins Schwanenlied unabänderlich feststeht, sang er doch während des ganzen Weges auf diese Melodie den neuen Text: »Rita, Rita, Rita.«
Wer erst einmal auf verbotenen Wegen gewandelt ist, kann es bekanntlich nicht mehr lassen. Denn gerade auf den verbotenen Wegen blühen die schönsten Blumen, leuchten die hellsten Sterne und wachsen die dicksten Kartoffeln.
Benno, der schüchterne, tugendsame Benno, beschloß, auf dem verbotenen Weg weiter zu wandeln, und sollte er auch schnurstracks in die Hölle führen.