Spieglein, Spieglein an der Wand,
Wer ist die Schönste im ganzen Land?
Aber der Spiegel warf nur sein eigenes Bild zurück, von dem sich schwerlich behaupten ließ, es sei das schönste Bild im ganzen Land.
Die Neugier nach dem Aussehen der großen Unbekannten ließ ihm keine Ruhe, und schließlich faßte er den für seine Begriffe ungeheuerlichen Entschluß, ihre Bekanntschaft zu suchen.
Wäre er ein Stuart Webbs gewesen, von dessen Spitzfindigkeit die Kinos sämtlicher Weltteile Wunder berichten, oder ein Nick Carter, dessen Detektivtaten in unzähligen Zehnpfennigheften mit furchtbar farbigem Umschlag gefeiert werden, so hätte er wohl gewußt, wie er sich hätte anstellen müssen.
Stuart Webbs wäre in einem solchen Fall einfach in das Hinterhaus gestiegen, in das vierte Stockwerk, hätte die Fußspuren auf dem Boden nachgemessen und die Füße sämtlicher Frankfurterinnen so lange mit diesen Spuren verglichen, bis er die Sängerin herausgefunden hätte.
Leider aber pflegte Benno kein Kino zu besuchen, und er kam deshalb nicht auf einen so genialen Einfall.
Er ging vielmehr geradewegs auf das Haus zu, aus dessen viertem Stockwerk der Gesang zu tönen pflegte, schlich sich wie ein Einbrecher die vier Treppen empor, um an der Türe den Namen der Bewohner zu erforschen.
Ach, es war das erstemal, daß Benno Stehkragen auf Liebespfaden wandelte, und er stellte sich dabei keineswegs kühn wie ein Kinoheld an. Jeder Quartaner hätte mitleidig über den Anfänger gelächelt.
Sein Herzchen klopfte bis in den Buckel hinauf, und wäre ihm jemand auf der Treppe begegnet, er hätte in seiner Verzweiflung die Hände emporgestreckt und gerufen: »Ich ergeb’ mich!«
Atemlos stand er vor der Türe im vierten Stock.