Übrigens übertrieb Benno die Wirkung des Buckels bedeutend. Es ging ihm wie jenem Prüfungskandidaten, dem ein Knopf an der ungeeignetsten Stelle offen stand, der nun meinte, jeder Professor fixiere gerade diese Stelle, und der darüber durchs Examen fiel, obwohl sein kleines Toilettemißgeschick von niemandem bemerkt worden war.
So brachte sich Benno um jede Freundschaft mit Frauen und um das höchste Erdenglück, um Liebe, durch seinen eigensinnigen Argwohn, sein Buckel müsse jeden Menschen abstoßen.
Seit Benno Stehkragen Rita mit Augen gesehen hatte, ward ihm ihr Gesang noch wertvoller.
Freilich, die Illusion des goldblonden Engels war unrettbar dahin. Aber der Verlust dieser Illusion hinterließ keine brennende Wunde.
Es trat einfach an die Stelle seines schönen Traumes ein anderer schöner Traum, der in weniger überirdischen Gefilden spielte, dafür aber an Leben und Wahrscheinlichkeit gewann.
Benno kannte nun die Sängerin von Angesicht, und damit erhielten ihre Lieder für ihn etwas Persönliches, Intimeres.
Er konnte sie sich jetzt recht gut während des Singens vorstellen, und ihm war, als sänge sie für ihn allein.
Er sah Rita öfters auf der Straße, und jedesmal grüßte er sie.
Sie wunderte sich nicht mehr über diesen Gruß, sie dachte sich: Wahrscheinlich ist es irgendein Bekannter vom Schornsteinfegerball. Und sie erwiderte lächelnd seine Begrüßung.
Weiter als bis zu diesem Grußverhältnis entwickelte sich die gegenseitige Bekanntschaft vorerst nicht. Und Benno war damit vollauf zufrieden.