Und denselben Weg wanderten ihre kleinen Ersparnisse und Papa Käsbergers sauer erworbene Notpfennige.
Vielleicht wäre aus Katharines Stimme etwas zu machen gewesen, hätte ein solider Lehrer sie fleißig gebildet.
Zur Solistin an einem kleinen Stadttheater hätte es das von Hause aus musikalische Mädchen wohl bringen können.
Den Mißhandlungen des Breivogelschen Unterrichts aber war die kleine Stimme nicht gewachsen. Es spricht immerhin zugunsten Katharines, daß ihr Organ den natürlichen Wohlklang nicht vollends einbüßte, und daß sie in verhältnismäßig kurzer Zeit leidlich Klavier spielen lernte.
Ihre Stimme blieb unentwickelt, die Höhe wurde scharf, für die Hebung ihres Geschmacks geschah gar nichts, aber die Stimme nahm in der Mittellage einen rührenden Ausdruck an, wie die Augen eines mißhandelten Kindes.
Und dieser Ausdruck war es, der Benno so sehr bezaubert hatte.
Es war, als klage diese Stimme ihr Leid über die erlittenen Züchtigungen in die Welt hinaus und finde Trost in ihrem eigenen Klang.
Zwei Jahre nach Beginn der Gesangslektionen hatte Katharine zwar kein Engagement, wohl aber ein Kind von ihrem Lehrer.
Mama Käsberger trug das freudige Ereignis mit dem Fatalismus, der so vielen unbemittelten Leuten zur Gewohnheit wird.
Es war eben ein Unglück, da war nichts zu machen.