An jenem Abend befand sich unter den Zuhörern als Gast auch der ehemalige Chorist Lebrecht Breivogel, der sich seit Verlust seiner Stimme den Titel »Gesangspädagoge« zugelegt hatte.

Er schlängelte sich an Papa Käsberger heran und machte ihn darauf aufmerksam, daß seine Tochter, die, nebenbei bemerkt, eine herrliche Bühnenfigur besäße, ein Vermögen in der Kehle habe. Ein Vermögen, das keineswegs so schwer zu heben sei, wie die Krone im tiefen Rhein.

Und es ginge zwar gegen seine Prinzipien, und er habe auch alle Hände voll zu tun, aber er wolle ausnahmsweise, ganz ausnahmsweise die Stimme des gnädigen Fräuleins völlig kostenlos – prüfen.

Papa Käsberger war berauscht von den Zukunftsbildern, die der Gesangspädagoge ihm malte.

Mama Käsberger weinte auf Vorschuß Tränen der Freude und des Stolzes.

Und Katharinchen sah sich bereits in den illustrierten Blättern abgebildet. In einem tiefdekolletierten Seidenkleid, und mit einem Faksimile ihrer verbesserten Handschrift.

Lebrecht Breivogel prüfte die Stimme, und da er dringend Schülerinnen brauchte, entdeckte er ein außergewöhnliches Material. In spätestens zwei Jahren werde das Fräulein ein erstklassiges Engagement haben, dafür garantiere er.

Wenn ein Lebrecht Breivogel für etwas garantiert, so kann es kein Besinnen mehr geben.

Das Warenhaus wurde um eine Einwicklerin ärmer und der große Einwickler Breivogel um eine Schülerin reicher.

Auf dem Auktionswege wurde ein Klavier erstanden, äußerlich so gut wie neu und innerlich ebenso miserabel, und Katharine Käsberger wanderte zweimal wöchentlich zu ihrem Gesangsprofessor Lebrecht.