War er nicht ein Mordskerl? Schritt er nicht elastisch als Kavalier neben einer leibhaftigen Sängerin?
Wenn ihn einer seiner Bankkollegen so sähe, würde er nicht anerkennend schmunzeln: »Sieh mal an, was Bennochen Stehkragen für Sachen macht! Wer hätte das von ihm gedacht?«
Ja, es schlummern männliche Talente in einem, die man selbst nicht ahnt!
Ein Gespräch über Gesang kam in Fluß. Benno lauschte Katharines Weisheiten nur mit halbem Ohr. Er warf von Zeit zu Zeit einen scheuen Blick auf die neben ihm schreitende Choristin, sein Gang ward unbewußt zu einem leicht verwegenen Tänzeln, so daß er ein wenig einem Dromedar, das sich verschluckt hat, glich.
Je öfters er zu ihr hinüberblickte, desto günstiger wurde sein Urteil über ihre äußere Erscheinung.
Im Grunde genommen besaß doch die Menschheit keinerlei authentische Mitteilungen über das Aussehen der Feenkönigin. Wo steht geschrieben, daß sie keine spitze Nase hat und keine verwaschene blaue Seidenbluse trägt?
Und er dachte: Wenn ich jetzt so frech wär’ wie der Casanova oder der Herr Wittmann – und ich tät’ plötzlich meinen Arm um ihre Taille legen – und tät’ mich auf die Zehenspitzen stellen – und ihr einen Kuß aufpappen – oder zwei – und se tät’ merr eine Ohrfeige geben – oder zwei – und es tät’ ihr im selben Augenblick leid – und se tät’ flüstern: »Ich hab’ Ihnen doch nicht weh getan, Herr Stehkragen?« – und ich tät’ antworten: »Unberufen, und wie!« – und ihr kämen die Tränen in die Augen – und se – –
Rita richtete eine direkte Frage an Benno, er mußte seinen schönen Traum abbrechen und antwortete: »Wie haben Se soeben bemerkt, gnädiges Fräulein?«
Nun entwickelte auch Benno seine musikalischen Ansichten und sprach lang und gut.
Rita gewann den Eindruck, daß er ein ungeheuer gescheiter Mensch sein müsse, von dem sie etwas profitieren könne, und so lud sie ihn ein, sie doch gelegentlich zu besuchen und ihr beim Üben mit Ratschlägen behilflich zu sein.