»Merr guckt doch gleich uff de ehrschte Blick, was e vornehmer Mensch is!« belehrte Großmama Käsberger ihre Tochter, als Benno sich verabschiedet hatte.

Sie fand, daß sein Buckel eigentlich gar nicht so groß sei, als er von außen aussehe. Und er habe so viel Seele in den Augen.

Was schadete ein Buckel? Pah, so viele Buckels konnte ein Mann gar nicht haben, daß sie ihn deshalb als Schwiegersohn verschmäht hätte.

Die gute Großmama Käsberger schwamm bereits in standesamtlichen Träumen. Wenn die Töchter einmal in die dreißiger Jahre gekommen sind, sitzt bei den Müttern der Segen sehr lose.

Jeder ledige junge Mann gilt ihnen als Schmetterling, sie haben beständig das Schmetterlingsnetz bei sich, sie verstehen das Fangen virtuos, und ehe der arme Junggeselle Böses geahnt hat, haben sie ihn auf dem Spannbrett der Ehe aufgespießt.

Der harmlose Benno ahnte nicht, welche Gefahr ihn bedrohte.

Um so schärfere Augen hatte die erfahrene Frau Petterich, die die Besuche ihres Mieters bei »dere Komödiantegesellschaft da driwwe« mit Mißfallen sah.

»Genau so hat’s beim Brofessor Langeberjer aagefange!« warnte sie ihren Schützling. »Uff de Kopp genau so! Zuehrscht harmlose Besuchercher, dann so e merkwerdige Zerstreutheit, unn uff aamol hat’r vor’m Traualtar geschdanne, de Zylinner verkehrt in der Hand, unn hat ›Ja‹ gesacht – unn des Unglick war ferdig! Herr Stehkrage’, ich warn’ Ihne!«

Benno stutzte und wurde vorsichtig.

Er wiederholte in angemessenen Abständen seine Besuche, ließ sich von Katharine etwas vorsingen, half dem kleinen Lebrecht gelegentlich bei den Schulaufgaben, mit dem Erfolg, daß er nach einem Vierteljahr bereits nur noch der zweitschlechteste in der Klasse war.