»Guten Abend, Mariechen,« erwiderte Benno den Gruß und zupfte ihr das Haarband, das sich beim Spielen verschoben hatte, zurecht. »Die Schulaufgaben schon gemacht?«
»Natürlich, Herr Stehkragen!« beteuerte das Kind. »Soll ich sie Ihnen zeigen?«
»Später, später!« sagte Benno freundlich. Sein Kopf war noch mit Gedanken an Martha gefüllt, und er überhörte beim Betreten des Hausflurs ganz den Gruß der Frau Petterich.
Kopfschüttelnd sah ihm seine Wirtin nach.
»Jetzt glaaw ich’s bald selwer,« seufzte die brave Frau, »daß es Zeit werd, daß er unner’n Bandoffel kimmt! Dem Riese Goliath sei’ Bandoffel, des wär’ so die richtige Größ’ for en. Er werd schonn ganz daub vor Zerstreutheit, die Lieb’ hat sich bei em uffs Ohr gelegt, nächstens schnappt er iwwer!«
Beim Betreten seines Zimmers fand Benno auf dem Tisch einen Strauß frischer Wiesenblumen.
Den hatte ihm Mariechen gepflückt, die mit kindlich-überschwenglicher Verehrung an ihrem Hauslehrer Benno hing.
Wie gut konnte er ihr alles erklären! Viel besser als die Lehrerin in der Schule. Und nie schimpfte er. Immer war er gleichmäßig freundlich, verlor nie die Geduld, so viel man ihn auch fragte. Und merkwürdig: Bei der Lehrerin in der Schule verspürte man immer, sobald sie sich umdrehte, den unwiderstehlichen Drang, ihr die Zunge herauszustrecken, eine Nase zu schneiden oder wenigstens ein Gesicht zu ziehen – bei Benno kam ihr nie dieser Gedanke.
Benno war ihr guter Freund, ihr Vertrauter. Nur wo die Kinder herkommen, sagte er ihr nicht. Wahrscheinlich wußte er’s selber nicht.
Und noch eines war dem Mariechen aufgefallen: daß er ihren Namen nicht behalten konnte. Er redete sie oft mit »Martha« an.