»Ich guck’ Sie nicht an, ich guck’ in Sie!« gab Benno in ungewöhnlich scharfem Ton zurück.

Martha Böhle zupfte verärgert an der Perlenhalskette, die sie neuerdings trug, warf ihrem Gegenüber einen bösen Blick zu, den dieser mit mißachtendem Achselzucken aufnahm.

Die Kollegen im Couponbureau stießen sich heimlich an, die Beamtinnen kicherten.

Benno grollte. Er hatte noch keine Gelegenheit gefunden, ihr seine Verliebtheit zu offenbaren, und selbst wenn sich eine Gelegenheit geboten hätte, würde er sie jetzt ungenutzt vorübergehen lassen. Seine Liebe hatte das goldfarbene Gewand der Sehnsucht abgeworfen und sich in den strohgelben Mantel des Hasses gehüllt.

Ja, er haßte Martha in diesem Augenblick.

Der Theaterabend hatte ihm ein bitteres Erlebnis gebracht, einen Argwohn geweckt, der nicht mehr zur Ruhe kommen wollte.

Bis zur großen Pause war der Abend so schön verlaufen.

Schon nach der Ouvertüre hatte sich Benno, befeuert von der herrlichen Musik, gesagt: Du solltest doch öfter ins Theater gehen! Vielleicht ist es doch nicht recht von dir, daß du dich von der Welt abschließest, vielleicht birgt die Welt reichere Schönheiten, als du, ein trotzköpfiger Eigenbrödler, zugeben willst. Du verstaubst, Benno! Du bist ein altmodisch gewordener Überzieher, der in einem Schrankwinkel verkommt und sich beleidigt fühlt, daß freudigere Farben modern geworden sind. Und der in schmollender Eingebildetheit deklamiert: Auch meine Zeit wird wiederkommen, auch ich werd’ wieder modern! Und seine Farbe wird auch wieder modern – aber bis dahin haben ihn längst die Motten gefressen!

Eine stille Seligkeit zog bei den Arien Max’ und Agathes in sein Herz ein.

Waren diese melodischen Liebesergüsse nicht noch werbender, umstrickender, lodernder als die kühnsten Beschwörungen eines Romeo?