Einen Tenor sollt’ ich haben, dachte er, und damit singen können sollt’ ich – dann wüßt’ ich’s, wie ich der Martha meine Liebe erklären müßte! Ich wollt’ mich in ihre Seele hineintrillern und wollt’ se bekantilenen, daß se gar nicht mehr anders könnt’, als mir um den Hals fallen und seufzen: »Mein Benno, mein süßer Benno!«
Und ich tät’ vor ihr hinsinken und tät’ meinen Wuschelkopf in ihrem Schoß bergen, und hauchen tät’ ich: »Ich bin dein! Alles ist dein: mein Herz, und mein Buckel, und mein hohes C – alles, alles dein!«
Beifallsklatschen störte seine Träumerei.
Er sah sich erstaunt von seinem Galerieplatz um: Das Dämmerlicht des Zuschauerraums war von voller Beleuchtung abgelöst worden, ringsum saßen applaudierende Leute, und tief unten hob sich der Vorhang, und winzig aussehende Menschen in bunten Kostümen verbeugten sich an der Rampe.
Benno nahm das geliehene Opernglas zur Hand und ließ seine Blicke umherwandern.
Dort, auf einem Seitenplatz des zweiten Ranges, saß der dicke Rehle vom Wechselbureau und schmauste ein kräftig belegtes Butterbrot, das ihm seine fürsorgliche Alte mitgegeben hatte. Kauend unterhielt er sich mit einem bezwickerten Mädchen, das neben ihm saß und von Zeit zu Zeit vergnügt zu seinen Reden auflachte.
Benno lenkte das Opernglas nach der anderen Seite des Hauses und entdeckte in einer Loge das üppige Fräulein Antonie Hochberg, im Schmucke übergroßer Brillanten.
Ob die auch etwas empfand bei der Musik?
Sie saß steif auf dem Logenvorderplatz, mit einer Miene, als gehöre ihr das ganze Opernhaus, und als dulde sie nur aus Gnade die Anwesenheit minderbemittelter Staatsbürger und Staatsbürgerinnen.
Vor ihr auf der Brüstung lagen ihre Glacéhandschuhe, und Benno phantasierte: