Hilflos zuckte Adolf die Achseln.

Ein Engel ging durchs Zimmer, — eine in dieser Behausung höchst ungewohnte Erscheinung. Bindegerst wartete, ob sein Schwiegersohn nicht anfangen würde, die Geschichte seiner unterbrochenen Hochzeitsreise zu erzählen.

Aber Adolf schien völlig geistesabwesend. Er empfand nicht einmal das Beschämende seiner tragikomischen Lage; nur traurig war ihm zu Mute, traurig wie einem Kind, dem ein böser Hund die Lieblingspuppe entrissen hat und in Fetzen beißt.

Beinahe leid tat er seinem Schwiegervater.

»No, komm nor her!« sagte Bindegerst schließlich. »Vor #mir# braachstde kaa Angst zu hawwe: ich kratz net! Unn scheniern braachstde Dich #aach# net: die Handschrift is aach schonn uff #mei'm# Kopp zu lese gewese! Wann aach net mit so große Aafangsbuchstawe! — Wie is'n des komme?«

Adolf machte eine müde, abwehrende Handbewegung.

Er wollte nicht darüber sprechen. Er hätte auch gar nicht so genau sagen können, wie sich die Unglücksszene entwickelt hatte. Mit einem ganz unbedeutenden Wortwechsel war es angegangen, er hatte die Unvorsichtigkeit besessen, in einer nebensächlichen Angelegenheit anderer Ansicht zu sein als das ihm angetraute Turteltäubchen, und plötzlich sah er sich einer tobenden Furie gegenüber und hörte zum ersten Mal den Aufschrei: »Prinze unn Korferschte hätt' ich heierate könne, unn Dich Schlappschwanz muß ich nemme!!« Und ehe er noch dazu kam, einzulenken, die grundlos Erregte zu beruhigen, und alles, was er gar nicht gesagt hatte, zurückzunehmen und um Verzeihung zu bitten, spürte er schon zehn Fingernägel im Gesicht.

Als er die Augen, seine erschrockenen blauen Kinderaugen, wieder öffnete, war Katharina verschwunden.

Da war er traurig zum Bahnhof gewankt und hatte sich eine Fahrkarte nach
Offenbach gelöst.

Mit dem Wirt hatte er nicht erst abzurechnen brauchen, denn die Kasse führte Katharina.