Ihm bekam die Ehe seines Schwiegersohnes ausgezeichnet. Einen besseren Blitzableiter für die häuslichen Gewitter hatte er sich gar nicht wünschen können. Mit einer gewissen inneren Befriedigung sah er mit an, wie sich alle die Donnerwetter und Hagelschläge, denen bisher er selbst preisgegeben gewesen war, auf Adolfs Haupt entluden, während er im Trockenen saß. Er machte sich sogar das Vergnügen, heimlich ein bißchen zu hetzen, indem er einerseits Katharinas Ansprüche aufstachelte, andrerseits seinem Schwiegersohn soufflierte: »Laß Derr nix gefalle! Mach en Stormaagriff! Soll ich merr e Trombet' kaafe unn zor Attack blose? Mensch, du blamierst unser ganz Geschlecht!«

Da Katharina nicht viel Zeit und Lust fand, sich um den Alten zu kümmern, wurde er geradezu übermütig. Eines Tages heftete er an die Treppentüre seiner Werkstatt ein Plakat: »Weibern ist der Eintritt strengstens verboten!«

Und amüsierte sich königlich, als Katharina diesen, auf sie gemünzten
Zettel wütend in tausend Fetzen riß.

Aber wenn er der Knechtschaft seiner Tochter entronnen war, so war er dafür um so schimpflicher unter eine andere Tyrannei geraten: unter die Knute seiner stillen Geliebten. Er trank nicht mehr, er soff.

Er feierte an seiner Drechslerbank und oben im Dachstübchen stille
Gelage, trank dem Mann im Monde und den Katzen zu und hielt mit sich
selbst Volksversammlungen ab, in denen er das Thema: »Das Leben ist eine
Gemeinheit!« von allen Seiten beleuchtete.

Überkam ihn der Weltschmerz, so sang er mit den Katzen Duette, die erst ein Ende nahmen, wenn zwei Fäuste an die Türe donnerten und die bissigste Katze des Hauses schrie: »Willstde Dei Maul halte, ahl Volleul! Schämstde Dich net vor der Nachbarschaft?«

Dann versicherte Bindegerst, die Nachbarschaft könne ihn sonst etwas.
Aber er stellte seinen Meistersang ein.

»Ich glaab, Du riechst nach Schnaps?« sagte einmal Adolf seinem
Schwiegervater.

»Hastde gedenkt, ich wer' nach Veilcher rieche?« erwiderte Bindegerst.
»Wann Derr mei Duft net baßt, hättstde halt in e Bodanisierbüchs
heierate solle, statt in unser Familje! Steck Dei Nos net in mein
Privatgeruch, des bitt ich merr aus!«

Und Adolf hatte, wie immer, geschwiegen.