Andere Ehen wiederum ließen sich mit einer elektrischen Straßenbahn vergleichen, in der man vor lauter Klingeln und Hasten sein eigenes Wort nicht versteht, und wo Wagenführer und Schaffnerin nach schwerer Tagesarbeit nur den einen Wunsch haben: sich einigermaßen gut satt zu essen und gesund auszuschlafen.

So lassen sich die verschieden gearteten Ehen mit den verschieden gearteten Fahrzeugen vergleichen, und wer Lust hat, mag die Bilderreihe zu Tode hetzen.

Adolfs Ehe glich einem Schubkarren. Im Schweiße seines Angesichtes drückte er ihn seine steinige, staubige Lebensstraße, und oben auf dem Schubkarren saß Frau Katharina, eine derbe Peitsche in der Hand, und wenn der arme Adolf einmal eine Schnaufpause machen wollte, pfiff ihm die Geißel um die Ohren, und er hörte eine kreischende Stimme: »Prinze unn Korferschte hätt' ich heierate könne! O Gott, ich unglicklich Fraa!!«

Das war eine der zahlreichen Übertreibungen, derer sich Katharina in den
durchaus einseitigen Aussprachen mit ihrem Ehemann zu bedienen pflegte.
Selbst dem entthrontesten Prinzen wäre es niemals eingefallen, um die
Hand der Drechslermeisterstochter Katharina Bindegerst anzuhalten.

Aber wir wollen gerecht sein und ihr diese Übertreibung nicht zu dick ankreiden. Übertreiben ist seit der Urzeit ein Reservatrecht der Frauen, der holden wie der unholden. Als Eva gerade eine Minute lang erschaffen war, und Adam aus seinem verhängnisvollen Schlafe erwachte, war Evas erstes irdisches Wort: »Nun warte ich schon eine #Ewigkeit#!«

Und als sich Adam nun erhob, um das Naturwunder näher zu begucken, und als er es vorsichtig betastete, da fuhr Eva auf: »Habe ich Dir nicht #schon hundertmal# gesagt, Du sollst mich nicht anrühren?!«

Damals bekam Adam einen Heidenschreck.

Und dieser Schreck hat sich vererbt von Generation zu Generation. Jeder junge Ehemann kriegt ihn von Neuem, an jenem Tage, an dem seine Gattin zum ersten Male mit ihm zankt, ohne daß er weiß, warum.

Und jeder Ehemann benimmt sich alsdann genau so paradiesisch töricht und nachgiebig wie unser Urahn Adam und heftet somit selbst den letzten Stich an dem Riesenpantoffel, von dem in der Schöpfungsgeschichte nichts steht, und der sich gleichfalls von Generation zu Generation vererbt, — und zwar in der #weiblichen# Linie.

Adolf Borges machte es um kein Haar besser. Er war ja schon von Natur stets gar schüchtern gegen das weibliche Geschlecht gewesen.