»E Fraa is sicher was Scheenes,« sagte er sich als junger Mann, »awwer ich will's gar net so schee hawwe! Die Fraue sin wie Heckeröscher, wunnerliebliche Blümercher, die sich um de Mann ranke unn en schmicke unn verscheenern, — awwer ich habb kaa Talent zum Blummestänner! Wann sich so e Heckerösche um mich rankt, dann komme doch bloß die Wespe unn die Biene unn die Hummele unn steche mich, — naa, ich bleib liewer leddig!«
Man hat das weibliche Geschlecht nicht mit Unrecht die Sonne dieses Daseins genannt. Aber Adolf Borges hatte von jung auf eine unüberwindliche Angst vor dem Sonnenstich. Wenn er nur von ferne so eine liebliche Sonne aufgehen sah, spannte er sogleich abwehrend seinen aus Sophismen gewobenen Sonnenschirm auf.
»Gehstde mit danze, Adolf?« frugen ihn Sonntags seine Bekannten und
Kollegen.
»Ich hipp net, ich bin kaa Laubfrosch!« erwiderte Adolf, denn jeder
Tanzboden dünkte ihn mehr oder weniger ein Blocksberg.
Seine Freunde fuhren gröberes Geschütz auf.
»Adolf, die dick' Anna, die Köchin von Schmidts in der Krummgaß, hat sich nach Derr erkunnigt! Ob De net nächste Sonndag nach der Goedheeruh kämst? Se hätt Derr was zu sage! — No??«
»En scheene Gruß an die dick Anna, unn ich wär net neugierig! Unn se soll merr mit ihrer Goedheeruh mei Borgesruh lasse!« sagte er und blieb des Sonntags zu Hause.
Oder er bummelte allein im Stadtwald und am Mainufer umher, sah die schweren Mainkähne und Flöße ziehen, sah die leichten Amseln schwirren und die drolligen Eidechsen huschen. Und empfing dabei mancherlei Schönes, was der liebe Gott nur an einsame Spaziergänger zu verschenken pflegt.
Einmal fand er ein Vogelnest mit vier Eierchen.
Nachdenklich stand er davor, wiegte den Kopf und sann: »Vier Kinner uff aamol, — naa, ich bleib leddig!«