Bindegerst geriet außer sich vor Entzücken, als Petruchio absichtlich zu spät und zerlumpt zur Trauung erschien, in der Kirche wie ein Roßknecht fluchte, dem Priester auf die Frage, ob er Katharina heiraten wollte, mit einem gebrüllten »Zum Donnerwetter, ja!« antwortete, dem Küster den Weinbecher ins Gesicht warf, seine Braut in der Kirche laut abschmatzte, kurz die Widerspenstige auf jede erdenkliche Weise demütigte.

»So mußtde's mache!« rief der Drechslermeister. »Des is mei Mann! Der krieht se klaa! Baß uff, er krieht se klaa, des Oos!«

Die Logenbesucher begannen, sich über den Begeisterten zu belustigen.
Aber Bindegerst ließ sich nicht stören.

»Des mißt' merr bei jedder Hochzeit gewwe, des Stick!« schwärmte er in der Pause. »Des is mehr wert wie die scheenst Preddigt! Des is aus'm Lewe gegriffe! Wannn's aach in Amerika spielt!«

Er zog im Foyer die Schnapsflasche aus dem Gehrock und labte sich.

»Nemm Derr e Beispiel«, hetzte er. »Adolf, mach's wie der Amerikaner! Ich garandier Derr for de Erfolg! Ich habb Derrsch schonn emal gesacht: haag se, daß die Lappe fliehe!«

Und als im vierten Akte Petruchio sein Käthchen durch Hunger und Grobheit vollends zähmte, als sie in ihm ihren Meister erkannte, sich aufs Bitten verlegte und zuletzt so mäuschenklein ward, daß sie auf Petruchios Befehl die Sonne für den Mond, einen Mann für ein Weib erklärte, da kannte Bindegersts Wonne keine Grenzen mehr.

»Adolf, wannsde kaa Hansworscht bist, mechstde's gradso! Adolf, ich guck
Dich net mehr aa, wannsde's net gradso mechst!«

Adolf war durch das Theaterstück nachdenklich gestimmt worden.

Hatte Petruchio Recht? Mußte der Dichter mit dem seltsamen Namen die
Frauen nicht besser kennen als er?